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Innere Einkehr

Gabriele Paulsen am 29.01.2018, 16:48 | 0 Kommentare

Oftmals fühlt man sich wie ein Hamster im Rad. Familie, Freunde oder Beruf setzen voraus, dass man funktioniert. Ohne Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse zu nehmen, werden Grenzen überschritten. Gabriele Paulsen zeigt auf, wie wichtig es ist, inne zu halten und kritisch nachzufragen, warum etwas gerade so ist wie es ist, um die Umwelt, andere und auch sich selber besser zu verstehen.

Innere Einkehr

Wir alle nutzen die dunkle Jahreszeit, vielleicht auch unterbewusst, zur Besinnung im besten Wortsinn. Besinnen auf das, was war und das, was noch kommen kann und darf.
Im besten Fall sind wir ganz bei uns selbst, um zu schauen, was uns antreibt, wer uns begleitet und für was wir stehen.
Menschen mit Demenz leben oft in ihrem eigenen Raum, vielleicht nur mit sich und die Beziehungen zum Umfeld verändern sich radikal.
Ein Unverständnis von Außen sorgt für Unverständnis im Inneren und führt zu weiterer Verwirrung und Unsicherheit. Die innere Einkehr wird zum eigenen Gefängnis.
Die Gesunden wissen nicht, was den Kranken bewegt und aufgrund der kognitiven Veränderungen im Inneren umtreibt.
Sie verschreiben sich den eigenen Werten und Normen und schaffen somit häufig das Gefängnis mit dem Namen „so war es und nur so darf und kann es sein“.
Mit dem Verharren in dem, was war und der Sorge vor dem, was wird, blockieren wir meist die Möglichkeiten im Heute. Zutiefst menschlich!
Sind Persönlichkeiten verschwunden, finden wir neue, andere, mit liebenswerten Eigenschaften?
Dazu brauchen wir Ressourcen, also die oder eine Möglichkeit, aufzutanken, in Kontakt zu sein, ganz egal auf welche Art und Weise.
Doch wie kann ich erkennen, ob jemand erkrankt ist oder nicht
 
1.     in Kontakt sein mit mir selbst?
2.     in Kontakt sein mit anderen?
3.     in Kontakt sein mit dem, was ich nicht beeinflussen kann – dem Sinn oder dem großen Ganzen?
 
Kontakt heißt in Verbindung sein, wenn nicht anders möglich auf basaler Ebene.
Wir riechen, schmecken, hören, sehen und fühlen. Raus aus dem Gefängnis, rein in den Kontakt.
Ist in einer Pflegebeziehung die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse sichergestellt?
Jeder Pflegende, ob professionell oder als Angehöriger, stellt sich seiner Verantwortung im höchst eigenen Maße und bringt dabei alle mögliche Fürsorge und Empathie mit.
Und doch sehnen wir alle uns nicht nur nach „professioneller“ Berührung sondern wünschen uns auch Intimität. Liebkosungen in Paarbeziehungen sind hoch energetisch und belebend.
Sie machen uns wieder ganz und lassen uns die Grenzen des Ichs (wieder) spüren.
Miteinander kuscheln, einander streicheln ist eine so wertvolle Art der Zuwendung, die durch Überforderung und Frustration oft nicht mehr zustande kommen kann.
Nun kann es hilfreich sein, die drei Ressourcen für mich zu prüfen:
1.     Bin ich bei mir?
2.     Bin ich in Kontakt mit anderen (Nicht Erkrankten)?
3.     Sehe ich den Sinn in meinem Tun? Glaube ich und wenn ja an was?
Denn es stellt sich schlicht nicht die Frage nach dem “Warum“, sondern die Frage nach dem „Wofür“ ist diese Erkrankung in mein/unser Leben getreten. Wozu dient die Erkrankung oder was gibt mir die Rolle als Pflegender.
Diese Sicht öffnet neue Räume und Perspektiven.
So kann es beispielsweise gelingen, familiäre Strukturen, die vielleicht nicht immer gut getan haben, mit der Demenz aufzulösen oder auch loszulassen.
Sie sind nicht mehr wichtig und haben keine Bedeutung mehr im Hier und Jetzt.
Nutzen wir die Chance für Veränderung und Erneuerung von Beziehungen durch zärtliche Berührungen. Sei in Kontakt!
Viel Erfolg dabei wünscht Gabriele Paulsen

Foto der Weblogautorin Gabriele Paulsen
Daniel George / Institut für Universal Design KG

Gabriele Paulsen berät, trainiert und coacht seit über 10 Jahren Einzelpersonen, Teams, Unternehmen und Organisationen im Gesundheitswesen. Sie gründete Nessita und lebt in Hamburg. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind gewaltfreie Kommunikation und Business Coaching. Sie verbindet moderne Methoden und konkretes Handwerkszeug zur Unterstützung im Personalmanagement und der konstruktiven Konfliktregelung. Sie war als Medizinproduktebeauftragte, Ernährungstherapeutin, Fachberaterin für Qualitätssicherung und im Vertrieb in der Altenpflege tätig. Davor arbeitete sie in den Universitätskliniken Hamburg und Kiel als Fachkrankenschwester in der Anästhesie- und Intensivpflege. Sie ist zertifizierte Pflegeberaterin nach §7a und §45 Abs. 3 Satz 3 SGB XI.

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