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DAS WEBLOG

Demenz als Thema der KölnerKinderUni

Elisabeth Philipp-Metzen am 31.10.2012, 17:15 | 0 Kommentare

"Oma, das hast du mich doch schon zehnmal gefragt" – unter diesem Titel werden Kinder zwischen 8 und 12 Jahren in einem Workshop über Demenz und was die Krankheit mit sich bringt aufgeklärt.

Demenz als Thema der KölnerKinderUni

In diesem Jahr wurde das Thema Demenz von der KölnerKinderUniversität behandelt. Die KölnerKinderUni (verantwortet von Prof. Dr. Meyer-Wolters und Frau Pietsch-Lindt) besteht seit 2003. Kinder zwischen 8 und 12 Jahren erhalten Einblicke in aktuelle Forschung, die Teilnahme ist kostenfrei.
Zum Thema Demenz wurden von mir (Frau Dr. Philipp-Metzen) Workshops und eine Vorlesung mit dem Titel „Oma, das hast du mich doch schon zehnmal gefragt“ angeboten. Dies ging vom Lehrstuhl von Frau Prof. Dr. Zank an der Kölner Universität aus. Weil die KölnerKinderUni insgesamt 75 Angebote hatte, von denen viele auf den ersten Blick viel „spannender“ als das Thema Demenz aussahen (bei chemischen Experimenten z. B. pufft und knallt es ja oft laut), waren alle gespannt, ob sich überhaupt Kinder anmelden würden.
Tatsächlich waren beide Workshops und die Vorlesung ausgebucht. Es gab Power-Point-Folien, eine Fühlkiste zum Blind-Tasten, einen Film, Musik und viele Gespräche.
„Was passiert eigentlich im Gehirn bei einer Demenz?“
Die Kinder hatten Bilder von Nervenzellen, den Neuronen, und ihren Verbindungen, den Synapsen, gesehen. Ich (Frau Philipp-Metzen) erklärte:
Die Informationen gelangen nicht mehr richtig von einer Nervenzelle zur anderen. Ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen: Ein Mädchen bei euch auf dem Schulhof, wir nennen sie mal Carina, lädt zur Geburtstagsparty ein: „Kommt alle zu mir heute Abend um sechs Uhr. Und sagt es den anderen weiter!“ Ein anderes Mädchen, das dies gehört hat, sagt später zu einem Jungen: „Du, Carina lädt uns alle zu ihrer Geburtstagsparty ein. Ich glaube, heute um fünf Uhr.“ Der Junge erzählt es wieder weiter: „Carina feiert um fünf Uhr ihren Geburtstag, ich denk‘ mal, es ist morgen. Sie lädt uns alle ein.“ Die Kinder haben dabei auch verstanden, warum Menschen mit einer Demenz viel Unterstützung und Verständnis benötigen.
Auch wurde ihnen erklärt, dass die Krankheit besonders alte und sehr alte Menschen betrifft, Kinder sich deshalb noch keine Sorgen machen müssen.
Traurig fanden sie, dass es heute noch kein Medikament gibt, welches eine Demenz wieder heilen kann.
Deshalb überlegten sie stark, ob man denn nicht vorbeugen könne. In der Tat, so die Antwort, gäbe es Chancen, sich möglichst gesund zu halten: „Gute Ernährung, Bewegung und geistige Aktivität“. „Geistige Aktivität?“ „Ja, zum Beispiel neue Dinge lernen, so wie ihr Kinder das in der Schule macht.“ Nun entstand eine lebhafte Diskussion unter den Kindern: „Vielleicht kriegen alte Menschen Demenz, weil sie nicht mehr so viel lernen?“ „Eben weil sie nicht mehr wie wir in die Schule gehen müssen!“
Noch viele weitere Punkte wurden gemeinsam besprochen. Die Kinder lernten, dass Gegenstände von früher das Langzeitgedächtnis ansprechen. Sie hatten eigene Sachen mitgebracht, Fotos von früher, ein altes Schmuckkästchen, Haushaltsgeräte und vieles mehr.
Mitgenommen haben sie: Auch als Kinder können sie schon viel tun, um Menschen mit Demenz das Leben zu erleichtern und zu verschönern.

Foto der Weblogautorin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen
Foto: Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen

Die Gerontologin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen ist Fachberaterin für Pflege und Demenz und langjährig Zweite Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. Sie ist Moderatorin des Senioren-Programms sicher-mobil beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e. V. und sie hat ihre Doktorarbeit über die Erfahrungen der Enkelgeneration mit dem Krankheitsbild Demenz geschrieben und führt dazu Workshops durch. Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen für das Seminar „Soziale Arbeit für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“.

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