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DAS WEBLOG

Meine Oma hat Demenz Teil 1 - Was bedeutet das für Enkelkinder?

Elisabeth Philipp-Metzen am 19.03.2012, 12:19 | 0 Kommentare

Wie geht es eigentlich den Enkelkindern von demenzkranken Großeltern? Welche Ängste haben sie, zum Beispiel, wenn sie gemeinsam zusammenleben? So lauten Fragen von pflegenden Angehörigen im Gesprächskreis der Alzheimer Gesellschaft Münster.

Wenn Kinder von ihren demenzkranken Großeltern erzählen, kann das beispielsweise so klingen: "Meine Oma ist vergesslich geworden. Und sie findet sich nicht mehr so gut zurecht. Deshalb können wir sie nicht mehr alleine lassen. Manchmal ist sie etwas komisch zu mir, aber das macht sie nicht mit Absicht. Meine Oma hat Demenz."

Enkelkinder erleben die Demenz eines Großelternteils sehr unterschiedlich. Es hängt mit ihrem Alter und der Schwere der Krankheitssymptome zusammen. Auch das Verhalten der Eltern spielt eine wesentliche Rolle. Kinder brauchen altersgemäße Erklärungen, damit sie das Verhalten ihrer Großeltern nachvollziehen können. Schon im Kindergartenalter verstehen sie es, wenn man beispielsweise sagt: „Bei deiner Oma ist das Gehirn krank. Deshalb vergisst sie häufig Namen und Worte, findet den Weg nach Hause nicht mehr. Leider gibt es noch keine Medizin dagegen.“ Hilfreich sind dabei Bilderbücher, die man zusammen anschauen sollte. Älteren Kindern und Jugendlichen helfen Sachbücher und Broschüren.

Die so genannten kognitiven Einbußen wie Vergesslichkeit und Desorientierungen sind oftmals wenig belastend für Kinder. Problematisch sind Symptome wie erhöhte Aggression, Wahnvorstellungen und ungerechtfertigte Vorwürfe. Hierdurch sind Kinder schnell überfordert und entwickeln Ängste.

Tipps für den Alltag

Achten Sie darauf, Ihre Kinder bei problematischen Verhaltensweisen der Großeltern mit Demenz nicht mit ihnen alleine lassen. Leben Sie den Kindern vor, wie man geduldig, freundlich aber konsequent darauf reagiert. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Menschen mit Demenz manchmal "in ihrer eigenen Welt" leben. Wichtig ist dabei, ganz in Ruhe darüber zu sprechen. Kurze "Zwischen-Tür-und-Angel-Hinweise" reichen nicht aus. Fragen Sie gezielt nach: "Macht es dich traurig, wenn die Oma manchmal so unfreundlich zu dir ist?" Dieser "offene Dialog" mit dem Kind ist die wichtigste Unterstützung. Lassen Sie Ihr Kind mit seinen Ängsten nicht alleine.

Grundsätzlich gilt es dabei, zu unterscheiden: Einzelne schwierige Situationen mit demenzkranken Menschen haben keine dauerhaften Folgen für Kinder. Sie sind für die jungen Menschen ein selbstverständlicher Teil ihrer Lebenswelt, ihres Alltags. Mit Unterstützung durch Erwachsene können sie leicht bewältigt werden.

Jedoch wirkt eine dauerhafte, jahrelange Überbelastung in der Familie nachhaltig auf das gesamte Familienklima und somit auch auf die Kinder. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kinder leiden, wenn die Familie dauerhaft überfordert ist.

Ist Ihre Familie überlastet, sollten Sie unbedingt Hilfe und Unterstützung suchen. Diese gibt es bei Pflegeberatungsstellen, Alzheimer Gesellschaften, über Internetportale wie den WegweiserDemenz sowie durch Broschüren und Bücher.

Foto der Weblogautorin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen
Foto: Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen

Die Gerontologin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen ist Fachberaterin für Pflege und Demenz und langjährig Zweite Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. Sie ist Moderatorin des Senioren-Programms sicher-mobil beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e. V. und sie hat ihre Doktorarbeit über die Erfahrungen der Enkelgeneration mit dem Krankheitsbild Demenz geschrieben und führt dazu Workshops durch. Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen für das Seminar „Soziale Arbeit für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“.

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