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Noch im Beruf und schon eine Demenz? Teil 2

am 12.05.2017, 15:27 | 0 Kommentare

Erkrankt ein Mensch an einer Demenzform, ist das für Betroffene oft eine große Herausforderung. Bei dementiell Erkrankten im mittleren Lebensalter sind Bedürfnisse und Interessen häufig anders gelagert als bei älteren Menschen. Die Weblogautorin Dr. Elisabeth Philipp-Metzen zeigt in ihrem Beitrag auf, welche Möglichkeiten an Demenz erkrankte Menschen in Betracht ziehen sollten, die noch einen Beruf ausüben und worin die kleinen Unterschiede liegen.

Noch im Beruf und schon eine Demenz? Teil 2

In der Beratung für jüngere Demenzbetroffene wird vielfach nach passenden Angeboten für die erkrankten Personen und ihre Angehörigen gefragt. Hier geht es um die ganze Palette von Angeboten, angefangen von Freizeitmaßnahmen über die Tagespflege bis hin zu einem Platz in der stationären Versorgung. Gesucht werden andere Personen im selben Alter oder mit ähnlichen Interessen und Hintergründen. Beispielsweise ist der Musikgeschmack ein anderer als bei älteren Personen mit Demenz. Man wünscht kein Tanzcafé mit alten Volksliedern, sondern eher Stücke von den Rolling Stones und Beatles.

Spezialisierte und integrative Angebote
Daher werden Angebote speziell für jüngere Erkrankte benötigt. Diese gibt es oft im niedrigschwelligen Bereich. Sehr gut geeignet sind u. a. häusliche Helferkreise, hier können einzelne Betreuungspersonen sich gezielt auf die jeweilige Situation vor Ort einzustellen. Betreuungsgruppen und ähnliche Treffen machen es dagegen möglich, soziale Gemeinschaft zu erleben. Auch sie tragen zu einer fördernden Tages- und Wochenstruktur im Alltag bei.
Darüber hinaus braucht es auch integrative Angebote. Beispiel: Eine Tagespflege speziell für jüngere Erkrankte im ländlichen Raum würde vielleicht nicht genug nachgefragt, so könnte sie wirtschaftlich nicht bestehen. Traditionelle Angebote müssen sich daher jüngeren Menschen mit Demenz öffnen und diese integrieren.

Umgang auf Augenhöhe
Was erwarten jüngere Menschen mit Demenz von diesen Angeboten? Ganz wichtig ist ein Umgang auf Augenhöhe, das berichten sie immer wieder. Demenzbetroffene im mittleren Lebensalter und im frühen Stadium der Erkrankung möchten sich nicht betreut fühlen, sondern gleichberechtigt einbezogen werden. Vielfach hat es sich bewährt, ihnen eigene Aufgaben und somit die Rolle eines ‚Assistenten‘ anzubieten. So können sie ihre vorhandenen Ressourcen einbringen. Angebote sind auch dann gut geeignet, wenn das Thema zeitlos und unabhängig vom Alter ist, wie beispielsweise Sport oder Kunst.

Selbsthilfegruppen
In vielen Orten existieren Selbsthilfegruppen, in denen man sich gegenseitig ermutigt, unterstützt und stärkt. An Demenz erkrankte Personen in einem frühen Stadium der Erkrankung erleben hier den Austausch mit Gleichgesinnten, sie werden als Mensch mit Stärken und Schwächen akzeptiert. Hier können sie ohne Scham von manchen Missgeschicken erzählen, denn die Anderen kennen solche Erfahrungen von sich selber. Auch Angehörige (und andere Bezugspersonen) profitieren von einer Selbsthilfegruppe. In der Gruppe kann offen über Belastungen durch die neue Lebenssituation gesprochen werden, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber dem demenzkranken Menschen haben zu müssen.

Gemeinsames Lernen
Auch mit einer Demenz ist ein gemeinsames Lernen möglich. Im Projekt FrühLInk werden Workshops zur Stärkung der Selbsthilfe mit Betroffenen, Angehörigen Ehrenamtlichen und Multiplikatoren durchgeführt. Hier bringen alle unterschiedliche Lernvoraussetzungen mit. Eine demenzkranke Teilnehmerin mit Anfang 50 sagte: „Ich kann alles so wie die Anderen. Ich brauche nur länger Zeit“. Sich gegenseitig wahrnehmen heißt auch, Verständnis füreinander zu entwickeln. Dies führt zu gegenseitiger Rücksichtnahme und ist ein Schlüssel zur Inklusion.
Interessierte können sich gerne an das Projekt FrühLInk wenden: Träger ist der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW, Förderer die Techniker Krankenkasse NRW.

Foto der Weblogautorin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen
Foto: Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen

Die Gerontologin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen ist Fachberaterin für Pflege und Demenz und langjährig Zweite Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. Sie ist Moderatorin des Senioren-Programms sicher-mobil beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e. V. und sie hat ihre Doktorarbeit über die Erfahrungen der Enkelgeneration mit dem Krankheitsbild Demenz geschrieben und führt dazu Workshops durch. Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen für das Seminar „Soziale Arbeit für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“.

Internet Links

Angehörigengesprächskreis
Die Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. ist offen für alle; Leiterin ist Beate Nieding.

Gerontologie – Wissen für die Praxis
Die Webseite von Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen vermittelt gerontologische Handlungskompetenz in zentralen Praxisfeldern.

Kinderuni Uni Köln
Die Webseite zur Universität zu Köln

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