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DAS WEBLOG

Wilhelm kämpft um das Recht, seine Krankheit beim Namen nennen zu können

Wilhelm hörte die Worte des Arztes. „Sie sind ein bisschen tüddelig, das kommt vor in Ihrem Alter. Sie müssen sich damit abfinden, da kann man nichts gegen tun. Kommen Sie in einem halben Jahr wieder.“ Wilhelm fand sich draußen auf der Straße wieder. Zu Hause angekommen, schilderte er seiner Frau Charlotte das Gespräch. Tüddelig? Und damit muss er sich abfinden? Das war die Erklärung für all seine Probleme, die Gedächtnislücken und Orientierungsstörungen? Für seine Wortfindungsstörungen? Wilhelm wollte wissen, was er wirklich hatte. Doch hatte er ein Recht darauf?

Charlotte recherchierte, besprach mit Wilhelm, was sie herausgefunden hatte: Das Patientenrechtegesetz sichert den Patienten das Recht auf Information zu. Darin eingeschlossen sind Diagnosen, der Verlauf der Erkrankung, mögliche Therapien. Wilhelm war erstaunt, dass der Arzt ihn trotz dieser eindeutigen Rechtslage mit einer so lapidaren Bemerkung abspeisen wollte.

Wilhelm und Charlotte konfrontierten den Arzt mit Wilhelms Recht auf eine klare Diagnose. Der Arzt wirkte überrascht „Sie wollen das wirklich wissen? Warum? Es gibt doch keine Heilung. Warum wollen Sie sich damit belasten?“

Charlotte war erbost: „Können Sie sich nicht vorstellen, dass es auch eine Belastung sein kann, wenn mein Mann und auch die Familie nicht wissen, was er hat? Wenn man immer wieder rätseln muss, ob es wieder weg geht oder schlimmer wird?  Wenn man rätseln muss, ist es eine Demenz? Wie es weiter gehen soll und kann? Wir müssen doch wissen, was Wilhelm hat! Wir müssen doch unser weiteres Leben planen können!“

Der Arzt wurde nachdenklich. Er sagte ihnen, dass für eine genaue Diagnostik Zeit und Ruhe erforderlich sei, ggf. auch ein Neurologe oder Psychologe hinzugezogen werden müsse. Der Hausarzt koordinierte für Wilhelm die weitere Diagnostik. Wilhelm erfuhr, dass es verschiedene Untersuchungsmethoden gibt, um herauszufinden, ob eine Demenz vorliegt. Die Diagnosemethoden beziehen sich auf die Gedächtnisleistungen. Anhand dieser Untersuchungen können Fachleute erkennen, ob eine Demenz oder eine andere Erkrankung vorliegen. Wilhelm wurde von einem Neurologen sorgfältig befragt, körperlich untersucht und absolvierte Tests zur Erfassung des Denkens, des Verstehens und der Orientierung. Auch wurden seine Laborwerte erfasst.

Der Hausarzt bestätigte Wilhelm und Charlotte, dass sich bei Wilhelm eine Demenz vom Alzheimer Typ entwickelte. Wilhelm war schockiert. Allerdings war er auch ein wenig erleichtert, weil er nun wusste, was er hat: Alzheimer. Wilhelm benötigte viele weitere Informationen darüber, wie sich die Krankheit weiter entwickeln würde, was das für ihn, aber auch für die Familie bedeuten würde, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen würden.

Der Hausarzt erörterte mögliche Behandlungsarten. Er wusste, dass sein Patient ein Recht auf Behandlung hat. Die medikamentöse Versorgung Wilhelms würde ein Neurologe vornehmen. Der Hausarzt würde Wilhelm bei Bedarf Ergotherapie, Physiotherapie, Logotherapie verordnen, und seinen Allgemeinzustand im Auge behalten.

Der Arzt konnte nicht alle weiteren Fragen, die ihm nun Charlotte an Stelle von Wilhelm stellen wollte, beantworten. So hatte er eine Liste mit Adressen und Ansprechpartnern zusammengestellt, die er überreichte. Dort würde man ihnen weitere Fragen beantworten. Diese Liste würde er künftig auch bei anderen Patienten mit einer Demenz verwenden.

Informationen zur Autorin:

Bärbel Schönhof ist Volljuristin mit 20-jähriger Erfahrung als Rechtsanwältin. Sie ist Dozentin und Fachautorin für die Bereiche Sozialversicherungs- und Familienrecht, Pflege- und Erbrecht. Sie war über mehrere Jahre hinweg stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Den Wegweiser Demenz unterstützt sie durch regelmäßige Beiträge.

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