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DAS WEBLOG

Qualität in der Demenzbegleitung

Andrea Stix am 20.08.2018, 15:20 | 2 Kommentare

Was bedeutet für Sie „Qualität in der Demenzbegleitung“? Ich habe lange darüber nachgedacht, was es für mich bedeuten würde. Und ich denke, die Qualität liegt darin, an Demenz erkrankten Menschen Zeit und Zuneigung zu schenken, also meistens das, was oftmals zu knapp kommt. Die Weblogautorin Andrea Stix spricht einige wichtige Punkte an, über die bei der Demenzbegleitung auf jeden Fall nachgedacht werden sollte.

Qualität in der Demenzbegleitung

Ist bei den vielen Anforderungen, welche die Krankheit an die betreuenden Personen stellt, überhaupt noch Platz für Qualität? Was macht Qualität in der Begleitung eines Menschen mit Demenz aus?

Vorgegebene Standards, wie sie bei einer Zertifizierung von Firmen oder Projekten zum Einsatz kommen, wären der falsche Weg. Hier geht es um Menschen. Und jeder Mensch ist einzigartig. Deswegen sollte – und dies kann bereits als erstes und vielleicht wichtigstes Qualitätsmerkmal in den Blickpunkt rücken – auch jede Form der Begleitung und Betreuung individuell erfolgen.

So kann zum Beispiel hinter dem Problemverhalten „herumlaufen“ einfach das Bedürfnis nach Bewegung oder nach Abbau von persönlichem Stress stehen. Ein Auslöser für dieses Verhalten kann auch der Wunsch nach Beschäftigung oder vielleicht sogar das Vorliegen von Schmerzen sein. Eine optimale Betreuung sollte daher nie von Annahmen und eigenen Wünschen oder Vorstellungen ausgehen, sondern immer von der aktuellen Situation und den Bedürfnissen der erkrankten Person.

Qualität in der Demenzbegleitung hat auch mit Haltung zu tun. Wertschätzung, Empathie und Respekt sind Grundvoraussetzungen für eine optimale Unterstützung. Wer in seinem Inneren bewusst oder unbewusst eine ablehnende Haltung gegenüber dieser großen Aufgabe verspürt, wird sich nur schwer auf sein Gegenüber einstellen und so manche Tätigkeit widerwillig erledigen. Dies löst in den erkrankten Personen sehr oft Widerstand aus. Daraus entstehen dann oft Konflikte, die wiederum für die Betreuungspersonen belastend sind.

Gerade Menschen, die aus familiären oder aus wirtschaftlichen Gründen in die Begleitung von Menschen mit Demenz „gedrängt“ werden, sollten sich gut und ehrlich überlegen, ob sie innerlich bereit sind für diese oft herausfordernde Tätigkeit. Auf jeden Fall ist es ratsam, sich für die Betreuung und Begleitung bei einer Beratungsstelle über mögliche Unterstützungsangebote zu informieren.
Ein paar Gedanken, was Qualität in der Begleitung noch sein kann:

  • Betroffene verlieren im Krankheitsverlauf Fähigkeit und Fertigkeiten. Wenn es gelingt, die (noch) vorhandenen Ressourcen zu entdecken und diese entsprechend zu fördern, wird bei der erkrankten Person automatisch das Selbstwertgefühl angehoben
  • Kognitive Beeinträchtigungen minimieren oft den Bereich an Beschäftigungsmöglichkeiten. Das emotionale Gedächtnis bleibt aber sehr lange erhalten. Wer es schafft, den Alltag mit den Sinnen zu gestalten, wird staunen, was für Menschen mit Demenz noch möglich ist
  • Trotz der Krankheit sind die Betroffenen bestrebt, ihre Autonomie zu leben. Zeit und Geduld sind hier die Schlüsselwörter. Es sollte niemals um ein perfektes Ergebnis gehen. Viel wichtiger ist es, dass die Person alle Aktivitäten des täglichen Lebens möglichst lange selbstständig durchführt. Das Motto der Betreuungspersonen sollte daher „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein.
    Qualität in der Demenzbegleitung ist nur dann gegeben, wenn die betreuenden und pflegenden Personen nicht die Selbstfürsorge vergessen. Nur wer auf seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen achtet, kann auch mit Freude und Energie für andere Menschen da sein.
Foto der Weblogautorin Andrea Stix
Foto: Andrea Stix

Andrea Stix, Dipl. Morbus-Alzheimer-Syndrom-Trainerin
Um in der jeweiligen Situation optimal agieren zu können, habe ich mich neben der Kernkompetenz einer Diplomierten Morbus Alzheimer Syndrom (M.A.S.) Trainerin noch zusätzlich mit Mentaltraining intensiv beschäftigt und kann daher als diplomierte Intuitions- und Bewusstseinstrainerin auch auf die Fragen und Herausforderungen der pflegenden Angehörigen eingehen.

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2 Kommentare

echterdoc am 01.10.2018, 19:37 Ich habe einmal den Satz formuliert: \"Der geistig veränderte Patient wird niemals mit dem Maßstab des Gesunden gemessen.\"
Das trifft auch auf Ihre Aussage zu: \"Eine optimale Betreuung sollte daher nie von Annahmen und eigenen Wünschen oder Vorstellungen ausgehen\".
Ich habe an diesen Grundsatz auch immer dann erinnert, wenn Angehörige dachten, sich für das Verhalten eines an Demenz Erkrankten \"schämen\" zu müssen.

Finetta am 19.10.2018, 21:27 Qualität ist für mich auch bewusst Zeit zu schenken, und Dinge unternehmen die gefallen. Es muss nicht perfekt, das strahlende Gesicht ist ein wunderbarer Dank.

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