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DAS WEBLOG

Migranten mit Demenz

Silvia Tijero Sanchez am 27.06.2011, 12:20 | 0 Kommentare

"Quiero irme a casa", sagte Frau Sanchez* immer wieder. Das ist Spanisch und bedeutet "Ich möchte nach Hause gehen." Stellen Sie sich vor, eine Bewohnerin mit Migrationshintergrund, die mit Ihnen immer auf Deutsch gesprochen hat, lebt in Ihrer Einrichtung. Von heute auf morgen aber beginnt sie, mit Ihnen auf Spanisch zu sprechen. Sie verstehen sie kaum, weil Sie Spanisch nicht beherrschen. Sie reagieren genervt und wundern sich, warum die Patientin Ihre Sprache nicht mehr spricht. So ging es mir zunächst mit Frau Sanchez.

Es wäre natürlich einfacher für alle gewesen, wenn Frau Sanchez wieder ins Deutsche gewechselt hätte. Das war aber nicht der Fall. Frau Sanchez spricht kaum mit uns, aber wenn sie etwas sagt, äußert sie das Bedürfnis, nach Hause gehen zu wollen. Sie leidet an Alzheimer in fortgeschrittenem Stadium. Bei Demenzkranken mit Migrationshintergrund kommt es oft vor, dass sie das Deutsche vergessen und wieder ihre Muttersprache sprechen. Denn diese ist im Langzeitgedächtnis gespeichert, das oft noch lange Zeit vorhanden ist.

Die Anzahl der Migranten, die unter einer demenziellen Erkrankung leiden, steigt zunehmend, denn unsere Gesellschaft als Ganzes wird immer älter. Die wachsende Zahl der Patienten führt oft dazu, dass ihre Versorgung, Begleitung und Betreuung nur schwer durchzuführen ist. Die Sprache der Betroffenen nicht mehr zu verstehen, ist eine große Herausforderung für das Pflegepersonal. Oft sind die Pflegenden unsicher, wie sie mit den Patienten umgehen sollen.

Leider wird über das Thema Migranten mit Demenz noch viel zu wenig gesprochen. Auch gibt es zur Situation der Betroffenen in Deutschland nicht viele Erkenntnisse aus der Forschung. Eine größere Zahl qualifizierter mehrsprachiger Pflegekräfte würde das Leben der Betroffenen und der Pflegenden erleichtern.

 *Name geändert

Foto der Weblogautorin Silvia Elizabeth Tijero Sanchez
Foto: Silvia Elizabeth Tijero Sanchez

Silvia Elizabeth Tijero Sanchez ist examinierte Altenpflegerin, Lehrerin für Pflegeberufe und Berufspädagogin - Fachbereich: Pflege. Die Peruanerin absolvierte u. a. eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege im stationären und ambulanten Dienst. Zurzeit arbeite sie als Lehrkraft in der Aus- und Weiterbildung.

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