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DAS WEBLOG

Sprachbarriere oder Aphasie?

Silvia Tijero Sanchez am 06.08.2012, 12:20 | 0 Kommentare

Sprachbarriere oder Sprachstörung (Aphasie) bei Migranten – Jeder kennt die Situation, wenn einem ein bestimmtes Wort nicht einfällt. Um aber den Unterschied oder die genaue Ursache feststellen zu können, warum der betagte Mensch sich dann nur mit „Dings“ artikulieren kann, ist für jeden betroffenen Pfleger oder Angehörigen eine echte Herausforderung.

Sprachbarrieren in der Kommunikation mit Migranten werden oft so beschrieben „man versteht nicht, was die Migranten sagen“; „sie sprechen undeutlich und es gibt immer grammatikalische Fehler“; „ sie haben gar nichts verstanden, die Sprachbarriere der Migranten behindert unsere Arbeit“...

Wir können den Gedanken der alternden Migranten gerade mit einer beginnenden Demenz oft nicht mehr folgen. Die Sprachbarriere wird dann häufig als Symptom einer Demenz gewertet. In meinem letzten Bericht habe ich über den Begriff Sprachstörung (Aphasie), Störung des Wiedererkennens (Agnosie) und Störung eines Handlungsablaufs (Apraxie) aufgeklärt und geschrieben. Hier ist sehr schwer zu differenzieren, ob die Kommunikation der Migranten aufgrund der Sprachbarriere beeinträchtigt ist, oder ob der Migrant gerade unter einer Sprachstörungen leidet.
In diesem Bericht möchte ich über die Sprachstörung (Aphasie) schreiben, die bei leichter Demenz am ehesten zu finden ist.

Bei Aphasien (Sprachstörungen), je nach Beeinträchtigung der Demenzerkrankung, verändert sich die Sprache. Bei einer leichten Demenz äußert sich das als Wortfindungsstörungen. Der Demenzerkrankte findet nicht das richtige Wort, um seine Aussage deutlich zu machen. Hier werden Ersatzwörter ausgesucht und eingesetzt, z. B. Kannst du mir bitte „das Ding“ mitbringen? statt: Kannst du mir bitte den braunen Koffer mitbringen? In dieser Phase entwickeln die Betroffenen unterschiedliche Strategien um kommunizieren zu können. Einige Betroffene nehmen diese Veränderung gelassen, andere reagieren besorgt darauf oder sind unruhig. Interessant ist hier, dass das Sprachverständnis immer gut bestehen bleibt. (Vergleiche Kastner & Löbach, 2007, Seite 11).

[1] Kastner, U. & Löbach, R. (2007). Handbuch Demenz. München: urban & Fischer, Seite 11.

Es gibt spezifische kulturneutrale Testverfahren, z. B. TRAKULA (Transkulturelles Assesment mentaler Leistungen) (Vergleiche Brand, M., Kalbe, E., Kessler, J. & Sener, S. 2005)  und EASY – nonverbales, kulturneutrales Screeningverfahren zur Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen (Vergleiche Baller, G., Kalbe, E., Kessler, J. & Ozankan, M. 2010) die geeignet sind, um krankheitsbedingte Sprachstörungen bei Migranten festzustellen. Was behindert die Kommunikation bei leichter Demenz zwischen Migranten und Pflegenden, „die Sprachbarriere oder die Sprachstörung (Aphasie)“? – Natürlich beide! Um dieses Problem bewältigen zu können, sollte meines Erachtens am besten die Biografie der Migranten zu Rate gezogen werden.
Meiner Meinung nach ist Biografiearbeit ein starkes Instrument, um im Fall einer eintretenden Sprachstörung oder Sprachbarriere die Kommunikation zwischen Migranten und Pflegepersonal leichter zu meistern.
An dieser Stelle möchte ich allen eine Frage stellen: Könnten Sie sich vorstellen, die Biografiearbeit bei Migranten als wichtiges Instrument der Kommunikation in der Pflege einzusetzen für den Fall, dass Menschen mit Migrationshintergrund unter Demenz leiden?"
Silvia Ernst-Tijero

Foto der Weblogautorin Silvia Elizabeth Tijero Sanchez
Foto: Silvia Elizabeth Tijero Sanchez

Silvia Elizabeth Tijero Sanchez ist examinierte Altenpflegerin, Lehrerin für Pflegeberufe und Berufspädagogin - Fachbereich: Pflege. Die Peruanerin absolvierte u. a. eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege im stationären und ambulanten Dienst. Zurzeit arbeite sie als Lehrkraft in der Aus- und Weiterbildung.

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