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Erinnerungskoffer als Methode der Biografiearbeit bei Migranten mit Demenz

Silvia Elizabeth Tijero Sanchez am 11.10.2017, 16:49 | 0 Kommentare

Jeder erinnert sich gerne an irgendetwas zurück, ob es sich um Fotos handelt, die man sich gerne angeschaut hat oder Musik, die man gerne gehört hat oder ein Geruch, den man mit einer schönen Erinnerung in Verbindung bringt. Gerade Menschen die an einer Demenz erkrankt sind, brauchen solche schönen Erinnerungen. Ein Erinnerungskoffer für Menschen mit Migrationshintergrund, die an Demenz erkrankt sind, kann besonders dann hilfreich sein, wenn die Kommunikation schwierig oder nahezu unmöglich wird.

Erinnerungskoffer als Methode der Biografiearbeit bei Migranten mit Demenz

Vor vier Monaten machte mich eine Betreuungskraft auf einer stationären Einrichtung auf meine Ratschläge in dem Weblog Demenz aufmerksam. Sie erzählte mir von ihrer eigenen Erfahrung mit einem Demenzerkrankten mit Migrationshintergrund. Dieser hatte Schwierigkeiten, sie zu verstehen, weil er nicht mehr Deutsch, sondern nur noch seine Muttersprache gesprochen hat. Ich fragte die Betreuerin, ob der Migrant noch Angehörige hätte, sie sagte „Nein“ und war deswegen an Ratschlägen interessiert. Da ich auf meiner Arbeitsstelle war, konnte ich mich mit ihr nicht viel unterhalten. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht und ich wollte einfach nochmal einen kurzen Bericht schreiben, wie man durch bestimmte Methoden biografische Informationen über Menschen mit Migrationshintergrund, die an einer Demenz erkrankt sind, einsammeln kann.


Heute möchte ich die Methode der Erinnerungskoffer vorstellen.

Warum einen Erinnerungskoffer um die Biografiearbeit bei Migranten mit Demenz zu unterstützen?

Gegenstände, die die Erinnerungsarbeit anregen, werden in einem alten Koffer für unterschiedliche Formen und Anlässe der Biografiearbeit zusammengestellt.

Die Erinnerungskoffer enthalten originale Gegenstände, die aus der früheren Alltagswelt, heute alter Menschen mit Migrationshintergrund stammen. Durch die Berührung dieser Objekte werden Erinnerungen wachgerufen und Emotionen geweckt. Demente Menschen beginnen sich zu erinnern, zu erzählen und sich auszutauschen.

Die Koffer können flexibel in allen Einrichtungen der Altenhilfe eingesetzt werden. Sie bieten geistige Anregung und ermöglichen einen Zugang zu den Menschen mit Demenz. Für den Fall, dass es sich um Menschen mit Migrationshintergrund handelt, sollte man darauf achten, dass die entsprechenden Gegenstände aus der Heimat bekannt sind.

Im Folgenden sollen einige Anregungen gegeben werden, wie ein solcher Erinnerungskoffer gepackt werden kann.

  • Erst soll die Herkunft der Erkrankten bekannt sein, z. B. aus der Türkei, aus Italien, aus Peru etc.
  • Die Gegenstände (Materialien) müssen Original sein, sodass die Gegenstände wiedererkannt werden können.
  • Am besten sollten die Gegenstände in der Muttersprache des Betroffenen benannt werden.
  • Erinnerungskoffer können aber auch Gegenstände enthalten, die freie Verknüpfungen ermöglichen, durch kollektive Erinnerungen nicht besetzt, sondern individuell anregend sind, z. B. einen Pass, eine Arbeitsbescheinigung.

Kinderspiele: Das Murmelspiel ist z. B. fast in allen Ländern bekannt. Dafür müssen in dem Erinnerungskoffer unterschiedliche Murmeln zur Verfügung gestellt werden (groß und in verschieden Farben. Folgende Gegenstände sind in verschieden Ländern für Kinderspiele bekannt wie: Springseil, Jo-Jo. Traditionelle Gegenstände für türkische Spiele sind: Stöcke, Steine, Kugeln. Diese sollten in dem Erinnerungskoffer enthalten sein. Ein Buch mit Kinderreimen in verschiedenen Sprachen gehört unbedingt in den Erinnerungskoffer.

Küchengeräte aus der Zeit: z. B.: Dosenöffner, Teigroller, Schürze, alte Rezepte. Gegenstände aus der Schulzeit: Schultafel, Stifte, Schulbücher.

Der kurze Urlaub in der Heimat oder in Deutschland: Kamera, Fahrkarten, Fotos. Arbeitsfotos: z. B. Gastarbeiter in der Werkstatt oder in der Fabrik. Frauen, die in dem Restaurant, in der Fabrik oder im Haushalt gearbeitet haben.

Fotos, die verschiedene Sitten und Gewohnheiten aus unterschiedlichen Ländern zeigen: das Treffen in dem Verein, das erste Auto, alte Zeitungen, alte Nähmaschine.

Der Erinnerungskoffer kann in das Zimmer der Betroffenen gestellt werden, sodass die Pflegenden, die Betreuungskräfte oder Angehörigen den Erinnerungskoffer als Anregung für ein Gespräch oder als Gedächtnistraining benutzen können.

Der Erinnerungskoffer kann nach Nationalität zusammengestellt werden, damit die Biografiearbeit je nach Herkunftsland durchgeführt werden kann.

Die Erinnerungskoffer können gemeinsam mit Angehörigen zusammengestellt werden.

Durch die Angehörigen oder Bekannten können die passenden Gegenstände für die Erinnerungskoffer ausgewählt werden.

Die Angehörigen können bei der Übersetzung von Lieblingsgegenständen hilfreich sein.

Foto der Weblogautorin Silvia Elizabeth Tijero Sanchez
Foto: Silvia Elizabeth Tijero Sanchez

Silvia Elizabeth Tijero Sanchez ist examinierte Altenpflegerin, Lehrerin für Pflegeberufe und Berufspädagogin M.A. Die Peruanerin absolvierte u. a. eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege im stationären und ambulanten Dienst. Zurzeit arbeite sie als Lehrkraft in der Aus- und Weiterbildung.

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