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DAS WEBLOG

Drei Fehler bei Sterbenden

Drei Fehler, die ich bei Sterbenden kein zweites Mal machen möchte

Sterben gehört zum Leben. Und das Sterben jedes Menschen ist einzigartig. Drei Fehler, die Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller bei Sterbenden nicht mehr tun möchte.

Egal ob Menschen mit oder ohne Demenz, ob alt oder jung. Ob plötzlich oder lange ersehnt. Sterben muss jeder. Irgendwie. Wie gehe ich damit um? Seelsorger Uli Zeller lernt aus seinen Fehlern…

Fehler Nummer 1: Prognosen erstellen
„Wie lange dauert es noch?“  Diese Frage höre ich an fast jedem Sterbebett. Klar: Die Angehörigen möchten gegen Abend wissen, ob sie noch warten sollen und der Tod in den nächsten Stunden eintritt – oder ob sie nochmal nach Hause sollen, um auszuschlafen. Und ob sie ihren Liebsten am nächsten Tag noch lebend antreffen. Inzwischen weiß ich: Ich weiß nichts. Es ist vermessen, Prognosen abzuliefern. Ich bin nicht Gott. Gott ist es nach meiner Überzeugung, der die Stunde des Todes festgesetzt hat. „Tut mir leid“, muss ich dann erklären. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange Ihr Angehöriger noch lebt.“ Und wenn jemand wissen möchte, ob er abends noch bleiben soll oder nicht, rate ich: „Hören Sie auf Ihr Gefühl.“

Fehler Nummer 2: Unklar sprechen
Sprache ist manchmal etwas blumig. Gerade, wenn es um den Tod geht. Da spreche ich oft nicht einfach nur vom „Sterben“ oder vom „Tod“. Nein, der Verstorbene ist „von uns gegangen“, „erlöst“, „hat seine Augen für immer geschlossen“ oder „hat Abschied genommen“. Das stimmt vielleicht alles ein bisschen. Aber ich habe den Eindruck, dass ich mich damit manchmal um die treffenden, konkreten Ausdrücke herum mogle. Oft habe ich inzwischen gemerkt: Es ist für Angehörige eine Hilfe, wenn man bewusst vom „Sterben“ und vom „Tod“ redet – und diese Begriffe nicht künstlich umschifft…

Fehler Nummer 3: Unruhig werden
Es gibt viele gute Dinge, die man bei Sterbenden tun kann. Man kann ansprechende Musik organisieren, beten, geistlichen Beistand holen. Man kann die Angehörigen nochmal zusammen kommen lassen. Den Sterbenden Episoden aus ihrem Leben erzählen. Man kann verschiedene Düfte einbauen. Das ist alles gut und wichtig. Aber das Wichtigste ist: Ruhe bewahren. Keine Hektik verbreiten. Einfach nur hin sitzen und die Hand halten. Das ist oft das Schwierigste, das ich Sterbenden bieten kann. Und zugleich das Einfachste und Schönste.

Informationen zum Autor

Foto des Weblogautors Uli Zeller
Foto: Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Der Familienvater liebt Geschichten - und schreibt auch welche für Menschen mit Demenz. Er ist Autor mehrerer Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und Ratgeber für deren Angehörige und Betreuungskräfte. Alle seine Bücher finden Sie hier: http://t1p.de/BestZeller
Der Krankenpfleger und Theologe ist in der Aus- und Weiterbildung von Betreuungskräften tätig. Er ist zu Lesungen unterwegs und hält Vorträge über den Umgang mit Demenz. Seine Kolumne "Uli & die Demenz" finden Sie regelmäßig auf der "Pflegebibel": http://www.die-pflegebibel.de/author/uli-zeller/

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