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DAS WEBLOG

Drei Phasen einer Demenz

Wie Sie auf Betroffene gut eingehen können

Frau Haberstroh zieht sich zurück. Herr Wendel huscht unruhig durch den Gang. Frau Braun wird im Bett gepflegt. Drei Menschen mit Demenz in drei verschiedenen Stadien. Was kann ich in der jeweiligen Phase beachten?

Einerseits halte ich es für problematisch, eine Demenz in Phasen einzuteilen. Denn wer will schon nach einer Schablone gepflegt werden? Andererseits kann es aber eine Hilfe sein, sich Gemeinsamkeiten verschiedener Verläufe anzuschauen – und daraus zu lernen. Hier also der Versuch, Demenz einzuordnen.

Phase 1: Rückzug
Für Menschen mit Demenz verändert sich ihre Umwelt. Häufig sind sie überfordert. Daher kann es sein, dass sie  sich zurückziehen. Oft wird eine beginnende Demenz deshalb mit einer Depression

Erkrankung, die mit psychischer Niedergeschlagenheit und dem Verlust, Gefühle zu empfinden, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen einhergeht. Einfache Aufmunterungen können im Einzelfall schaden.
Depression
verwechselt. Sehr hilfreich ist es, während einer solchen Phase die Biographie zu sichern. Das heißt: Legen Sie sich ein Notizbuch zu. Reden Sie mit dem Betroffenen über früher. Notieren Sie seine Erinnerungen. Später wird er sich vielleicht freuen, wenn Sie ihm Episoden aus seinem eigenen Leben erzählen.

Phase 2: Unruhe
In dieser Phase verschmelzen Gegenwart und Vergangenheit. Häufig können sich Betroffene noch gut an Ereignisse aus der Kindheit erinnern. Zum Beispiel daran, wie die Rollläden am Elternhaus aussahen. Aber dass der Sohn gerade eben da war, hat der Betroffene vergessen. Menschen mit Demenz sind in dieser Phase häufig angetrieben. Frauen haben das Gefühl, dass sie für ihren Ehemann kochen müssen. Männer möchten zur Arbeit gehen. Versuchen Sie, Betroffene nicht mit Argumenten zu überzeugen, sondern auf der Gefühlsebene abzuholen. Indem sie Fragen stellen – und auf ihre Sehnsüchte eingehen.

Phase 3: Abhängigkeit
Betroffene sind in dieser Phase pflegeabhängig. Das bedeutet aber nicht, dass sie nichts mehr mit bekommen. Sie sind sogar noch sehr sensibel für Stimmungen. Achten Sie deshalb darauf, was Sie in Gegenwart der betroffenen Person besprechen. Sprechen Sie nicht so, als ob der demenzerkrankte Mensch nicht da wäre. Halten Sie seine Hand. Schauen Sie ihm in die Augen. Lesen Sie ihm eine Geschichte vor. Singen Sie mit ihm ein Lied. Erzählen Sie ihm eine Episode aus seinem eigenen Leben.

Informationen zum Autor

Foto des Weblogautors Uli Zeller
Foto Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Der Familienvater liebt Geschichten - und schreibt auch welche für Menschen mit Demenz. Er ist Autor mehrerer Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und Ratgeber für deren Angehörige und Betreuungskräfte. Alle seine Bücher finden Sie hier: http://t1p.de/BestZeller
Der Krankenpfleger und Theologe ist in der Aus- und Weiterbildung von Betreuungskräften tätig. Er ist zu Lesungen unterwegs und hält Vorträge über den Umgang mit Demenz. Seine Kolumne "Uli & die Demenz" finden Sie regelmäßig auf der "Pflegebibel": http://www.die-pflegebibel.de/author/uli-zeller/

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