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DAS WEBLOG

Lasst mich ausschlafen

Drei Dinge, die ich mir in einem Pflegeheim wünsche…

Was passiert mit mir, wenn ich in ein Heim muss? Darf ich mir dann noch was wünschen? Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller denkt über seine Zukunft nach…

6.17 Uhr. Der nasse Wachlappen fliegt mir ins Gesicht. „Guten Morgääähn“, ruft Schwester Barbara. „Wollen wir uns mal waschäään?“ Dann geht’s zum Frühstück und zur Aktivierung – dort höre ich Lieder wie „Die kleine Kneipe am Ende der Straße“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ - und: „Atemlos durch die Nacht“. Mittagessen, Kaffeetrinken, Abendessen. Dazwischen werd´ ich vor den Fernseher gesetzt. Und um 18 Uhr ins Bett verfrachtet. Ein Albtraum! So stelle ich mir meinen Lebensabend nicht vor. Daher formuliere ich hier schon mal ein paar Wünsche an diejenigen, die mich später betreuen:

Ich habe keine Lust, morgens um 6.17 Uhr gewaschen zu werden. Auch wenn ich eine Demenz habe und mich nicht mehr in kompletten Sätzen äußern kann: Ich will ausschlafen. Es steigert meine Lebensfreude nicht, wenn ich um 6.44 Uhr gewaschen im Speisesaal sitze und dort zwei Stunden auf das Frühstück warten muss. Also: Bitte verschiebt die Grundpflege auf später.
Also: Lasst mich schlafen. Und wo wir schon mal beim Schlafen sind…

Zweiter Wunsch: Lasst mich aussuchen, wer mich (nicht) pflegt
Was? Schwester Barbara? „Guten Morgääähn!“ „Waschäään!“ Oh Schreck. Nein, Schwester Barbara riecht so stark nach Nikotin – und schimpft andauernd über ihre Kolleginnen und meine Mitbewohner. Das möchte ich nicht! Bitte lasst mich aussuchen, wer mich pflegt. Wenn das nicht möglich ist: Lasst mich wenigstens wählen, wer mich nicht pflegen soll.

Dritter Wunsch: Lasst mich tun, was mir Spaß macht!
Welche Aktivierungen gibt es in Pflegeheimen? Fernsehschauen? Gemeinsam Schlager singen? Häkeln? Rollatortanz? Da hab ich keine Lust drauf. Ich habe gerne Stille und schätze die Ruhe. Außerdem mag ich Gespräche und gute Geschichten. Erzählt mir doch mal was. Was euer Leben wertvoll und einzigartig macht – und woran ihr leidet. Wenn euch das zu persönlich ist, lest mir gute Geschichten vor. Oder schenkt mir Stille und Ruhe. Lasst mich aus dem Fenster schauen. Von mir aus stundenlang. Aber bitte setzt mich nicht vor den Fernseher!

Informationen zum Autor

Foto des Weblogautors Uli Zeller
Foto: Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Der Familienvater liebt Geschichten - und schreibt auch welche für Menschen mit Demenz. Er ist Autor mehrerer Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und Ratgeber für deren Angehörige und Betreuungskräfte. Alle seine Bücher finden Sie hier: http://t1p.de/BestZeller
Der Krankenpfleger und Theologe ist in der Aus- und Weiterbildung von Betreuungskräften tätig. Er ist zu Lesungen unterwegs und hält Vorträge über den Umgang mit Demenz. Seine Kolumne "Uli & die Demenz" finden Sie regelmäßig auf der "Pflegebibel": http://www.die-pflegebibel.de/author/uli-zeller/

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