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DAS WEBLOG

Redensarten raten mit Menschen mit Demenz

Herr Denzel benutzte immer weniger Worte. Ein Gespräch aus Rede und Antwort wurde schwierig. Herr Denzel wirkte stets traurig, wenn ich ihn ansprach – vielleicht auch, weil er nicht mehr antworten konnte.

Als ich mit Herrn Denzel durch den Gang spazierte, sagte ich ihm den Anfang einer Redensart vor: „Jeder ist seines Glückes...“. Wie aus der Pistole geschossen ergänzte Herr Denzel: „...Schmied.“ Und Herr Denzel strahlte.

Spontan habe ich noch ein paar Redensarten-Anfänge genannt - und Herr Denzel hat ergänzt:
Ich wasche meine Hände in … Unschuld.
Da liegt der Hase im … Pfeffer.
Man soll den Morgen nicht vor dem Abend … loben.

Herr Denzel kannte jede Redensart. Alles konnte er ergänzen Und noch mehr als das: Der zerknirschte Mann, den ich seit Wochen nicht mehr lächeln gesehen hatte, schmunzelte leicht. Das Lächeln wurde von Redensart zu Redensart breiter. Um es in Redewendungen zu sagen: Herr Denzel strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Über beide Backen. Von einem Ohr zum anderen.

Beispiele für Redensarten:
„Hunde, die bellen, beißen … nicht.“
„Aller guten Dinge sind … drei.“
„Den letzten beißen die … Hunde.“
„Pünktlich wie die … Maurer.“
„Morgenstund hat Gold im … Mund.“
„Was Hänschen nicht lernte, lernt Hans … nimmermehr.“
„Der dümmste Bauer erntet die dicksten … Kartoffeln.“
„Auge um Auge, Zahn um … Zahn.“

Probieren Sie es doch einmal aus!

Viel zu leicht?
Wem „normale“ Redensarten zu leicht sind, kann auch einmal Redensarten mit verdrehten Wörtern raten lassen („Wenn der Tisch aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf der Katze“).
Oder Redensarten verkehrt herum („Selig wird, wer's glaubt“).
Oder zwei Redensarten in einer („Ich wasche meine Hände im Sand am Meer“).

Mit etwas Kreativität fällt Ihnen sicher noch viel mehr ein. Und falls nicht, gibt’s ja hilfreiche Bücher.

Informationen zum Autor

Porträt von Uli Zeller
Foto: Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Der Familienvater liebt Geschichten - und schreibt auch welche für Menschen mit Demenz. Er ist Autor mehrerer Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und Ratgeber für deren Angehörige und Betreuungskräfte. Alle seine Bücher finden Sie hier: http://t1p.de/BestZeller
Der Krankenpfleger und Theologe ist in der Aus- und Weiterbildung von Betreuungskräften tätig. Er ist zu Lesungen unterwegs und hält Vorträge über den Umgang mit Demenz. Seine Kolumne "Uli & die Demenz" finden Sie regelmäßig auf der "Pflegebibel": http://www.die-pflegebibel.de/author/uli-zeller/

 

 

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