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DAS WEBLOG

Von schnellen Töpfen und fehlenden Beweisen

Lustiges und Skurriles aus dem Alltag mit Menschen mit Demenz 

Jeder, der mit dementen Menschen zu tun hat, kennt sie. Die neuen Worte, die kreiert werden und den Alltag bereichern. Frau Huber spricht von der „essbaren Platte“, wenn ihr der Begriff „Schnitzel“ nicht mehr einfällt. Der Teller wird bei Frau Brinkmann zum „runden Ding“ - und das Akkordeon bei Frau Krämer zum „Gerät zum Anziehen“. Eigentlich logisch. So eine Ziehharmonika hat ja Schultergurte, in die man hinein schlüpft wie in ein Hemd. Nicht zu vergessen Herr Groß, der eigentlich „Sodom & Gomorrha“ sagen wollte. Stattdessen sagte er: „Sodom & Monorrha.“ 

Mit dementen Menschen lachen

Wichtig finde ich, dass man nicht über demente Menschen lacht. Sondern mit ihnen. Mit der Zeit wird einem bewusst, was der Betroffene selber vielleicht nicht lustig finden würde. Übrigens: Die Zitate in dieser Kolumne habe ich verfremdet – und auch die Namen verändert 

„Ich habe mein Übergewicht verloren“

Frau Hansen zuckte zusammen, als plötzlich eine Altenpflegerin auftauchte. Dann verwechselte sie „das Gleichgewicht“ mit „dem Übergewicht“ und sagte: „Schwester. Sie haben mich so erschreckt. Da hätte ich fast mein Übergewicht verloren.“ Daraufhin erwiderte die Schwester, die wohl mit ihrem eigenen Körpergewicht nicht ganz zufrieden war: „Wenn ich dadurch mein Übergewicht verliere, dürfen Sie mich gern auch einmal erschrecken.“ 

Gibt es Beweise?

Frau Berlacher liegt nach dem Mittagsschlaf im Bett. Sie blinzelt. Jemand sagt zu ihr: „Ah, Sie sind ja schon wach.“ Darauf Frau Berlacher: „Dafür gibt es keine Beweise!“  

„Der Topf ist schnell.“

Herr Koch fragte mich einmal: „Sind Sie der neue Metzger?“ Frau Zehnder wurde während der Fußball-Weltmeisterschaft gefragt: „Gegen wen spielt die USA denn heute?“ Darauf antwortete sie: „Ich glaube, gegen Stuttgart.“ Und als Schwester Bettina nach dem Essen sagte: „Ich räume jetzt mal den Tisch ab“, erwiderte Frau Frischwind: „Ja, aber pass bloß auf. Der Topf ist schnell.“ 

Kleiner Dialog bei der Pflege

Frau Hecht lag im Bett und wurde gelagert. Wenn sie etwas sagte, machte das für die Ohren des Personals oft keinen Sinn. Eines Tages wurde Frau Hecht wieder auf die andere Seite gedreht. Dann sagte sie plötzlich bedächtig zu den Pflegekräften: „Das bin ich an und für sich nicht gewohnt, dass ihr die Suppe so durchnudelt.“  

Aufs Duschen verzichtet

Herr Fritz, leidenschaftlicher Raucher, war acht Tage im Krankenhaus. Wegen einer Lungenentzündung. Als er zurück ins Altenheim kam, fand er: „Jetzt habe ich eine Woche lang nicht geduscht und durfte eine Woche lang nicht rauchen. Naja, das mit dem Duschen ist ja nicht so schlimm...“  

Ist der Vogel katholisch?

Mit einigen Heimbewohnern sitze ich direkt neben einem Vogelkäfig. Der Wellensittich pfeift. Aber er trällert nicht nur gemütlich vor sich hin. Nein. Er pfeift, dass einem die Ohren wehtun! Und je mehr ich versuche, den Vogel zu ignorieren, umso lauter pfeift er. Mit Blick auf meine Bibel, aus der ich eine Geschichte vorlesen wollte, schaut mich Frau Biermann an. Sie schüttelt den Kopf und sagt: „Na, der Vogel ist halt nicht katholisch.“

Informationen zum Autor

Porträt von Uli Zeller
Foto: Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Der Familienvater liebt Geschichten - und schreibt auch welche für Menschen mit Demenz. Er ist Autor mehrerer Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und Ratgeber für deren Angehörige und Betreuungskräfte. Alle seine Bücher finden Sie hier: http://t1p.de/BestZeller
Der Krankenpfleger und Theologe ist in der Aus- und Weiterbildung von Betreuungskräften tätig. Er ist zu Lesungen unterwegs und hält Vorträge über den Umgang mit Demenz. Seine Kolumne "Uli & die Demenz" finden Sie regelmäßig auf der "Pflegebibel": http://www.die-pflegebibel.de/author/uli-zeller/

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