Einkaufen

Einkaufen gehen ist eine Selbstverständlichkeit. Es symbolisiert für viele Menschen Unabhängigkeit, das Fällen von eigenen Entscheidungen sowie das zufällige Treffen von Nachbarinnen und Nachbarn sowie Bekannten auf einen Plausch. Das gilt natürlich auch für Menschen mit Demenz. Dementsprechend bestehen viele Betroffene darauf, ihre Besorgungen weiterhin eigenständig zu erledigen. Einerseits möchte und sollte man sie natürlich so lange wie möglich gewähren lassen. Andererseits könnten hierbei Probleme auftreten.

In gewohnter Umgebung einkaufen

Einige Demenzformen beeinträchtigen den Orientierungssinn. Deshalb kann es passieren, dass sich Menschen mit Demenz verlaufen und den Weg nach Hause oder den Ausgang in einem größeren Geschäft nicht mehr finden. Zudem kommt es vor, dass sie die gewünschten Produkte im Laden nicht wiederfinden, wenn diese umgeräumt wurden und nicht mehr an der ihnen bekannten Stelle stehen.


Praxistipps zur Unterstützung:

•    Für den Fall, dass sich der Mensch mit Demenz verläuft, sollte ein Notfallkontakt über eine Visitenkarte oder einen Zettel mit der Adresse beispielsweise im Geldbeutel direkt einsehbar und griffbereit platziert werden.
•    Machen Sie ihnen das Einkaufen in nahe gelegenen, kleineren und vor allem übersichtlicheren Läden, beim „Eiermann“ oder auf dem Stadtteilmarkt schmackhaft. Größere Geschäfte überfordern viele Betroffene schnell.
•    Probieren Sie aus, ob Sie aus dem Einkaufen ein gemeinsames und für den Menschen mit Demenz attraktives Ritual mit „Eventcharakter“ machen können – etwa, indem Sie anschließend stets ein Café ansteuern.
•    Beziehen Sie Männer mit Demenz ins Einkaufen mit ein, indem Sie sie bitten, Ihnen beim Schieben des Einkaufswagens sowie beim Tragen der Einkäufe zu helfen.
•    Geben Sie Frauen mit Demenz das Gefühl, beim Einkaufen nützlich zu sein, indem Sie sich hausfraulichen Rat bei ihnen einholen und gemeinsam über Produkte und Warenqualitäten „fachsimpeln“.

Eine Einkaufsliste schreiben


Auch die Merkfähigkeit kann bei Menschen mit Demenz eingeschränkt werden. Daher kann es passieren, dass sie bereits bei der Ankunft im Laden vergessen haben, was sie eigentlich einkaufen wollten. Aus Verlegenheit bringen sie dann häufig dieselben Produkte wie etwa ein Päckchen Butter oder Kaffee mit nach Hause.

Praxistipps zur Unterstützung:

•    Helfen Sie Menschen mit Demenz, indem Sie die benötigten Produkte aufschreiben und gemeinsam einen Einkaufszettel erstellen. Hierbei empfiehlt es sich, die Einkaufsliste möglichst genau zu formulieren, beispielsweise „1 Pfund Rindergehacktes“ anstelle von „Fleisch“.
•    Zusätzlich kann es hilfreich sein, die benötigten Produkte aus dem Werbeprospekt auszuschneiden und dem Einkaufszettel hinzuzufügen. Dadurch visualisieren Sie den Einkaufszettel und bieten eine zusätzliche Gedächtnisstütze.
•    Einige unternehmungslustige Menschen mit Demenz verspüren jeden Tag den Drang, einkaufen zu gehen. Steuern Sie dieses Bedürfnis, wenn möglich unauffällig, indem Sie sie bitten, Ihnen eine Kleinigkeit zu besorgen, die Sie vermeintlich vergessen haben.
•    Bieten Sie Menschen mit Demenz versuchsweise Begleitung und Beratung beim Kauf von Kleidungsstücken an.
•    Sollte der Mensch mit Demenz mehrfach innerhalb kurzer Zeit dieselben Artikel gekauft haben, können Sie sich gegebenenfalls im Geschäft erkundigen, ob eine gewisse Kulanz besteht und Sie diese Artikel notfalls zurückgeben oder umtauschen können.

Den Einkauf bezahlen

Auch das Verständnis von Zahlen kann bei Menschen mit Demenz verloren gehen. So wundern sich zum Beispiel viele von ihnen nicht, wenn ihnen an der Kasse ein zu geringes, falsches Wechselgeld ausgezahlt wird.

Praxistipps zur Unterstützung:

•    Wenn der Mensch mit Demenz zunehmend schlechter mit Geld umgehen kann und scheinbar regelmäßig größere Summen verschwinden, sollten Sie unbedingt Rücksprache mit ihrer Bank halten. Es besteht in einem solchen Fall die Möglichkeit, die Summe zu begrenzen, die die Person von ihrem Konto abhebt. Hier ist eine Vorsorgevollmacht, welche auch die finanziellen Aspekte umfasst, äußerst sinnvoll. Weitere Informationen zur Vorsorgevollmacht finden Sie hier.
•    Viele Menschen mit fortgeschrittener Demenz treibt die Angst um, zu verarmen. Sorgen Sie dafür, dass sie möglichst viel Münzgeld im Geldbeutel haben, denn dessen Gewicht kann Beruhigung hervorrufen. Da viele Scheine ihnen oft wertvoller erscheinen als ein einziger, sollten 50 Euro im Idealfall als zehn fünf Euro Scheine oder fünf zehn Euro Scheine ausgezahlt werden.


Darüber hinaus können Menschen mit Demenz auch einfache Verhaltensregeln vergessen. Dies zeigt sich beispielsweise dann, wenn Sie ihre ausgewählten Produkte nicht bezahlen, sondern mit der Ware an der Kasse vorbei zum Ausgang gehen.

Praxistipps zur Unterstützung:

•    Wenn Sie wissen, in welchen Geschäften die Person häufig einkauft, ist es sinnvoll, den Mitarbeitenden von der Erkrankung zu berichten: Oftmals wird sehr viel verständnisvoller auf abweichendes Verhalten reagiert, wenn die Gründe bekannt sind.
•    Bitten Sie die Mitarbeitenden darum, Sie selber und nicht die Polizei zu kontaktieren, wenn der Mensch mit Demenz die Ware nicht bezahlt hat.
•    Bieten Sie in diesem Zusammenhang natürlich auch an, „Geklautes“ nachträglich zu bezahlen.


An dieser Stelle finden Sie Informationen für die Mitarbeitenden im Handel im Umgang mit Menschen mit Demenz.