Umgang mit Vergesslichkeit

Eine „normale Vergesslichkeit“ von einer Demenz abzugrenzen, ist besonders im Anfangsstadium der Demenz schwierig. Jeder Mensch vergisst mal etwas; solange keine weiteren Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit hinzukommen, gibt es keinen Grund zur Sorge.

Gegenstände wiederfinden

Ärgern Sie sich oft, dass Ihr Schlüssel scheinbar verschwindet oder Ihre Brille nicht mehr dort liegt, wo Sie sie abgelegt haben? Das geht auch vielen Menschen mit Demenz so. Um Dinge, die Sie täglich brauchen, besser zu finden, sollten Sie sie an festen Orten aufbewahren. Neben der Haus- oder Wohnungstür können Sie beispielsweise ein Hakenbrett in Form eines Schlüssels aufhängen. Es erinnert Sie jedes Mal daran, wenn Sie die Wohnung betreten oder verlassen, dort den Schlüssel abzulegen oder mitzunehmen. Zudem kann Ihnen auch ein „Funk-Schlüsselfinder“ dabei behilflich sein. So können Sie, einen verlegten Schlüssel, durch das Aussenden von akustischen oder optischen Signalen innerhalb Ihrer Wohnung wiederfinden.

Auch Ihre Geldbörse legen Sie am besten immer nur an denselben Platz. Außerdem sollten Sie von den wichtigsten Dokumenten Kopien anfertigen. Verwahren Sie diese getrennt von den Originalen in einer entsprechend gekennzeichneten Mappe, bzw. übergeben Sie sie zur Sicherheit Ihren Angehörigen, oder deponieren Sie sie in einem Bankschließfach. Lassen sie vor allem auch einen Zweitschlüssel zu Ihrer Wohnung machen und hinterlegen Sie ihn bei Angehörigen oder vertrauenswürdigen Nachbarn. Damit sind Sie auf der sicheren Seite, wenn der Schlüssel doch einmal verloren geht oder Sie sich unabsichtlich ausgesperrt haben sollten.

Wenn Sie sich immer schlechter daran erinnern, an welchem Ort in Ihrer Wohnung welche Alltagsgegenstände verwahrt sind, können Sie sich bis zu einem gewissen Grad damit behelfen, dass Sie die entsprechenden Schränke und Schubladen sorgfältig beschriften, oder mit entsprechenden Bildern versehen. Darüber hinaus erleichtern auch „durchsichtige“ (also gläserne) oder ausgehängte Schranktüren das Wiederfinden und Orientieren im eigenen Haushalt.

Zusätzlicher Tipp

Bewahren Sie wichtige Dinge, die Sie öfter verlegen, wie zum Beispiel Ihren Personalausweis, Ihre EC- und Krankenversicherungskarte, oder Schmuck, in einer abschließbaren Kiste oder Kassette auf. Sie sollte so groß und schwer sein, dass sie nicht einfach so "verschwinden" kann. Wenn Sie den Schlüssel zu diesem Behältnis entweder ständig bei sich tragen, oder das Wiederfinden durch ein „Schlüsselfinder“-System absichern, können Sie jederzeit prüfen, ob die Sachen noch da sind. Darüber hinaus sollten Sie aber auch unbedingt einer Ihnen nahestehenden Person einen zweiten Schlüssel für die Kiste anvertrauen.

Wichtige Kontakte griffbereit

Um einen Rat einholen oder nötigenfalls Hilfe rufen zu können, sollten Sie alle wichtigen Telefonnummern griffbereit halten. Hilfreich kann in diesem Zusammenhang sein, alle bloß auf Zetteln oder Visitenkarten notierten Kontaktdaten systematisch in ein herkömmliches und alphabetisch organisiertes Telefonregister zu übertragen. In einem handschriftlichen Register sammeln sich allerdings über die Jahre auch veraltete Nummern an; es wird viel ausradiert und durchgestrichen. Deshalb ist vielen Betroffenen mit einer aktuellen, direkt neben dem Telefon aufgehängten, und in großer, gut leserlicher Schrift beschriebenen Liste der 5-10 wichtigsten Ansprechpartner besser gedient. So können Sie Ihre Angehörigen und Freunde, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, aber auch den Notruf schnell erreichen. Überdies kann man Telefonnummern heutzutage in viele Telefone einprogrammieren und mit einer Kurzwahloption kombinieren. Dadurch minimiert man die für’s Telefonieren nötige Gedächtnisleistung: Man muss sich nur noch merken, bzw. einer ebenfalls gut sichtbar neben dem Telefon platzierten Liste entnehmen, dass beispielsweise die Tochter angerufen wird, wenn man die Taste 1 länger drückt, und dass die Nummer des Arztes gewählt wird, wenn man die Taste 2 aktiviert. Es gibt sogar Geräte, bei denen man ein Bild der angerufenen Person mit der jeweiligen Kurzwahltaste verknüpfen kann. Zudem verringert die Kurzwahl die Wahrscheinlichkeit, sich in Gefahren- oder anderweitig belastenden Situationen zu verwählen.

Haben Sie sich unterwegs schon einmal verirrt oder waren Sie nicht ganz sicher, welchen Weg Sie nehmen müssen? Auch wenn Sie die Wohnung verlassen, sollten Sie die wichtigsten Telefonnummern bei sich tragen. Hilfreich sind auch Visitenkarten mit Ihrer Adresse in allen Hand-, Hosen- und Jackentaschen. Dann können Ihnen notfalls auch Fremde helfen. Ganz sicher gehen Sie mit ortungsfähigen Handys. Angehörige und Freunde finden Sie mittels solcher Geräte jederzeit wieder.

Termine überblicken

Termine und Verabredungen vergessen Sie immer häufiger? Rituale und feste Abläufe helfen dem Gedächtnis auf die Sprünge. So lange Ihr Kurzzeitgedächtnis noch nicht sehr stark beeinträchtigt ist, kann Sie ein Abreißkalender täglich auf den aktuellen Stand bringen. Wenn Sie sich allerdings jeden Morgen erneut fragen müssen, ob Sie das Blatt bereits abgerissen haben, schaffen Sie sich besser eine digitale Funkuhr an. Mit vielen aktuellen Modellen behalten Sie nämlich nicht nur die Tageszeit, sondern auch das Datum und den Wochentag gut im Blick. Zusätzlich können Sie einen großen, gut lesbaren Kalender aufhängen, in den Sie regelmäßig Ihre Termine und Verabredungen eintragen und abhaken, wenn sie vorbei sind.

Ein übersichtlicher Wochenplan, wie Sie ihn beispielsweise von der Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter https://www.deutsche-alzheimer.de/menschen-mit-demenz/tipps-fuer-den-alltag.html herunterladen und ausdrucken können, vermittelt Sicherheit und hilft Ihnen, den Tagesablauf zu strukturieren. Um genügend Energie für das wöchentliche Programm zu haben, sollten Sie nicht vergessen, regelmäßig etwas zu trinken und zu essen. Ein Notizzettel im Kalender oder an der Kühlschranktür oder die Erinnerungsfunktion Ihres Handys kann als Gedächtnisstütze dienen.

Technische Hilfsmittel

Haben Sie beispielsweise schon einmal das Essen auf dem Herd, oder das Bügeleisen auf dem Hemd vergessen? Wenn Sie sichergehen wollen, dass durch Ihre Vergesslichkeit weder Sie noch andere gefährdet werden, können Sie auch technische Hilfsmittel nutzen. So kann Ihnen neben den für alle Menschen sinnvollen Brandmeldern auch die Abschaltfunktion vieler Haushaltsgeräte wertvolle Dienst leisten.

Bei Elektroherden kann man eine Herdsicherung anbringen. Auch den Zufluss von Wasserhähnen kann man technisch so regulieren, dass kein Wasser mehr fließt, wenn man den Hahn aufdreht und einfach weggeht. Zudem gibt es Wassermelder, die einen akustischen Alarmton produzieren, sobald Wasser im Bad oder in der Küche überläuft.

Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, können Sie sich durch einen elektronischen Spender daran erinnern lassen, und so weiter.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Hilfe annehmen

Lassen Sie sich jedoch auch von anderen helfen. Bitten Sie Angehörige, Freunde oder Nachbarn, Sie telefonisch oder persönlich an Arzttermine, das Mittagessen oder das Zubettgehen zu erinnern. In einigen Bundesländern können Sie sich auch an die "Nachbarschaftshilfe" wenden.