Aufnahme

Damit ihr Aufenthalt im Krankenhaus dennoch so angenehm wie möglich verläuft, können Angehörige, einweisende Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Krankenhäuser entsprechende Vorkehrungen treffen. Das hilft allen Beteiligten mit der zusätzlichen Belastung besser umzugehen.

Vorbereitung

Ein Krankenhausaufenthalt sollte gut vorbereitet sein – egal ob geplant oder wegen eines Notfalls. Je mehr Ärztinnen und Ärzte oder Pflegekräfte bereits am Anfang über die gesundheitliche Situation, den Pflegebedarf, über die Lebensgewohnheiten und Vorlieben von Patientinnen und Patienten mit Demenz wissen, umso schneller und besser können sie diese behandeln. Angehörige können hier einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie alle für einen Krankenhausaufenthalt wichtigen Informationen bereits im Vorfeld zusammentragen.

Informationen für das Krankenhauspersonal

Damit das Krankenhauspersonal bestmöglich auf Menschen mit Demenz eingehen und deren Verhalten richtig interpretieren kann, benötigt es vor allem Informationen zu folgenden Punkten:

  • Pflegebedarf und Hilfebedarf im Alltag
  • Lebensgewohnheiten, Vorlieben, Bedürfnisse
  • Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden
  • Krankheiten, Diagnosen und laufende ärztliche Behandlungen
  • Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung
  • Verhaltensweisen, die zum Beispiel Mitpatienten irritieren oder stören könnten.

Normalerweise sollte der Haus- oder Facharzt bereits mit seiner Überweisung besonders wichtige Informationen an das Krankenhaus übermitteln. Erfahrungsgemäß ist dies aber nicht immer der Fall. Manchmal fehlen wichtige Punkte. Außerdem wissen überweisende Ärztinnen und Ärzte oft nicht viel über den jeweiligen Tagesrhythmus, Körperpflegegewohnheiten, Vorlieben, Bedürfnisse oder Verhaltensweisen. Dabei sind insbesondere die Pflegekräfte im Krankenhaus häufig dankbar über Hinweise dieser Art. Denn sie helfen, die Unruhe von Patientinnen und Patienten mit Demenz etwas abzumildern.
Weil Menschen mit Demenz selbst meist keine Auskunft mehr geben können, sollten Sie als Angehöriger überprüfen, ob all diese Informationen und die Kopien wichtiger Dokumente im Krankenhaus auch wirklich angekommen sind.

Notfallmappe, Informationsbogen und Checklisten

Verschiedene Materialien und Vorlagen helfen Laien dabei, die benötigten Dokumente und Informationen rechtzeitig zusammenzustellen. Sie sind unentgeltlich im Internet zu finden oder können telefonisch oder per Post angefordert werden. Manchmal heißen sie „Notfallmappe“, manchmal einfach nur Informationsbogen oder Checkliste. Auch andere Bezeichnungen existieren. Organisationen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und die Landesseniorenvertretungen bieten solche Materialien an, zum Teil aber auch die Krankenhäuser selbst. Ein hilfreicher Fragebogen stammt zum Beispiel von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Er wird von den Angehörigen und anderen ausgefüllt und beinhaltet Fragen nach dem Pflege- und Hilfebedarf, nach Gewohnheiten, Bedürfnissen des Demenzkranken und einiges mehr. Über die Antworten erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus wertvolle Informationen über die neue Patientin oder den neuen Patienten. Sogenannte Notfallmappen – auch als Notfallordner oder Notfallkoffer bekannt – umfassen zusätzlich wichtige Dokumente, Hinweise auf Medikamente und Krankheiten. Sie stellen für das Krankenhaus eigentlich eine ideale Informationsgrundlage dar.
Doch Achtung: Wer sich dazu entschließt, eine Notfallmappe zu nutzen, muss auch dafür sorgen, dass diese immer auf dem aktuellen Stand ist. Das bedeutet zum Beispiel, die Mappe immer zu Arztbesuchen mitzunehmen und dort aktualisieren zu lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass das Krankenhaus zum Beispiel eine veraltete und lückenhafte Medikamentenliste bekommt.

Aufnahmegespräch richtig nutzen

Die Aufnahme bei geplanten Aufenthalten läuft von Krankenhaus zu Krankenhaus sehr unterschiedlich ab. Angehörige sollten in jedem Fall darauf bestehen, mit Mitarbeitenden der zuständigen Station zu sprechen. So lässt sich am besten sicherstellen, dass die behandelnden Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte Zugang zu den gesammelten Informationen erhalten. Meist findet auf der Station ein Aufnahmegespräch mit den Angehörigen statt. Darin werden auch wichtige Anforderungen der Versorgung und der sozialen Betreuung besprochen.

Demenz und Notaufnahme

Die Notaufnahme gilt umgangssprachlich als „Visitenkarte“ eines Krankenhauses. Häufig sind diese jedoch nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz vorbereitet. Wenn Menschen mit Demenz mit einer Akuterkrankung in die Notaufnahme kommen, ist es wichtig, dass das Krankenhauspersonal unverzüglich Kenntnis über die Demenzerkrankung erhält. Häufig stehen wenige Informationen zu Patientin oder Patient zur Verfügung und primär geht es um die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und die Einleitung einer Initialtherapie des Notfallauslösers. Nach der Erstversorgung erfolgt meist eine zügige Weiterverlegung in andere Bereiche der Klinik. Die Notaufnahme kann für Menschen mit Demenz unter Umständen zusätzlich durch die chaotisch anmutende Geräuschkulisse, Hektik und Zeitdruck verwirrend sein. Vielfach ist auch die Notwendigkeit von Maßnahmen nicht unmittelbar nachvollziehbar. Dies kann sogenanntes herausforderndes Verhalten befördern bis hin zu einem deliranten Zustand, welcher weitere Folgen nach sich ziehen kann (siehe unten). Sogenannte demenzsensible Krankenhäuser haben ein Demenzscreening in ihr Aufnahmemanagement integriert, um Menschen mit Demenz als solche zu erkennen und das Wissen um ihre besonderen Bedürfnisse auch in die Notaufnahmen zu integrieren. Weiter gilt es eine Betreuung und Beaufsichtigung des Menschen mit Demenz sicherzustellen sowie den vielfältigen Anforderungen nach Möglichkeit buchstäblich Raum zu geben. In Schulungen wird das Thema Demenz und Notaufnahme auch bereits thematisiert um hier Verbesserungen zu erzielen. Zahlreiche Krankenhäuser haben hier bereits ihre Strukturen umgestellt, setzen Demenzlotsinnen und -lotsen oder auch ehrenamtliche Begleitdienste ein.

Geeignetes Krankenhaus wählen

Bislang haben nur wenige Krankenhäuser besondere Maßnahmen für eine bessere Versorgung von Menschen mit Demenz umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise besondere Betreuungsangebote, speziell qualifizierte Mitarbeitende, eventuell sogar spezielle Versorgungsbereiche für Menschen mit Demenz. Auch in diesem Punkt lohnt es sich, frühzeitig Informationen einzuholen und die Angebote der Krankenhäuser in der näheren Umgebung daraufhin zu überprüfen. Meist sind die entsprechenden Informationen leicht über das Internet zu erhalten, ansonsten geben Pflege- und Patientenberatungsstellen Auskunft.

Ein Verzeichnis von Krankenhäusern und Kliniken die eigene Stationen oder Konzepte speziell für Menschen mit Demenz haben, finden Sie hier bei der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V.

Vertraute Begleitung durch „Rooming-in“

Menschen mit Demenz bietet eine gleichbleibende Umgebung mit vertrauten und wiederkehrenden Handlungsabläufen Sicherheit und Orientierung. Jede räumliche Veränderung stellt für sie dagegen eine Herausforderung dar. Das gilt erst recht bei einem Krankenhausaufenthalt. Durch das sogenannte „Rooming-in“ haben Angehörige oder andere vertraute Personen die Möglichkeit, an Demenz erkrankte Menschen im Krankenhaus rund um die Uhr zu begleiten.

Was ist „Rooming-in“

Die Abläufe im Krankenhaus sind in der Regel den medizinischen Notwendigkeiten angepasst und nicht den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz. Die Räumlichkeiten sind mehr oder weniger uniform gestaltet. Orientierungshilfen etwa durch eine spezielle Farbgebung, wie es sie in Heimen inzwischen als wertvolle Hilfe gibt, sind in Kliniken meist noch nicht zu finden. Auch das Personal in Krankenhäusern ist im Umgang mit Menschen mit Demenz oft noch nicht geschult.
Umso wichtiger ist es, dass eine vertraute Person Patientinnen und Patienten mit Demenz während des Klinikaufenthalts begleiten kann, um bei der Pflege, während den Untersuchungen und Arztgesprächen zu unterstützen. Manche Kliniken bieten dafür das sogenannte "Rooming-in" an. Die Begleitperson erhält dann für die Zeit des Krankenhausaufenthalts ein eigenes Bett im Patientenzimmer. Auf diesem Wege kann auch vermieden werden, dass Patientinnen und Patienten mit der „Nebendiagnose Demenz“ allein aufgrund des abrupten Wechsels aus der vertrauten Umgebung Verhaltensweisen an den Tag legen, die zuhause oder im Heim noch nicht vorhanden waren.

Mögliche Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Immer mehr Kliniken arbeiten an der Umsetzung des „Rooming-in“-Konzepts, denn sie haben angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz die Vorteile erkannt. Bei der Vertrauensperson muss es sich nicht um einen Angehörigen handeln, auch Freundinnen und Freunde oder Bekannte können die Begleitung übernehmen.
Bescheinigt der Krankenhausarzt, dass eine Begleitung für die Zeit des Aufenthalts aus medizinischen oder therapeutischen Gründen notwendig ist, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen (§ 11 Absatz 3 SGB V). Eine Hausärztin oder ein Hausarzt kann eine solche Empfehlung auch vorab aussprechen.