Behandlungsmöglichkeiten bei Demenz

  • Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Krankheitsstadium, Beschwerden und der persönlichen Situation. Sie sollte individuell geplant und regelmäßig angepasst werden.
  • Ziel aller Behandlungsmöglichkeiten ist es, vorhandene Fähigkeiten und die Selbständigkeit im Alltag möglichst lange zu erhalten sowie Lebensqualität und Teilhabe zu fördern. Auch die Unterstützung von Angehörigen ist ein wichtiger Baustein der Versorgung.
  • Es stehen medikamentöse Therapien (sogenannte Antidementiva) je nach Demenzform zur Verfügung. Bei einer früh einsetzenden Alzheimer-Krankheit kommen für einen begrenzten Personenkreis gegebenenfalls auch Antikörpertherapien in Frage. Medikamente gegen Depressionen oder schwere psychotische Verhaltenssymptome werden nur bei entsprechender Indikation eingesetzt.   
  • Nichtmedikamentöse Maßnahmen spielen eine ebenso wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise Ergotherapie, körperliche Aktivierung und Bewegung, kognitive Stimulation oder kognitives Training und musikbasierte Interventionen. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt von den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten ab. Frühes Eingreifen und eine Kombination dieser Maßnahmen sind wichtig. 
Mehrere kleine Bilder sind kreisförmig um ein Gehirn angeordnet.

Für Menschen mit Demenz gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängen von der Demenzform, dem Krankheitsstadium sowie den individuellen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Begleiterkrankungen ab. 

Ziel der Behandlung ist es, Selbstständigkeit und vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu fördern. Auch die Unterstützung und Entlastung der Angehörigen gehören dazu. 

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Medikamente können – abhängig von der Demenzform und dem Krankheitsstadium – bestimmte Symptome lindern oder den Krankheitsverlauf beeinflussen. Welche Präparate infrage kommen, muss individuell ärztlich entschieden werden.

Medikamentöse Behandlung von Alzheimer

Wie Medikamente im frühen und mittleren Alzheimer-Stadium wirken

Bei der Alzheimer-Krankheit können je nach Krankheitsstadium unterschiedliche Medikamente eingesetzt werden. Klassische Antidementiva können bestimmte Symptome und Alltagsfähigkeiten günstig beeinflussen und zum längeren Erhalt beitragen. Für einen begrenzten Personenkreis mit früh eingesetzter Alzheimer-Krankheit stehen zudem Medikamente zur Verfügung, die das Fortschreiten der Demenzform verlangsamen können. Begleitsymptome wie eine Depression werden bei Bedarf gesondert behandelt.

Was Menschen mit Demenz durch eine frühzeitige Therapie gewinnen

Im Verlauf einer Alzheimer-Krankheit nehmen Gedächtnis, Denkvermögen und Orientierung zunehmend ab. Ursache sind krankhafte Veränderungen im Gehirn, die Nervenzellen schädigen. Diese Demenzform lässt sich bislang nicht heilen, verschiedene Behandlungen können jedoch Beschwerden lindern und bei bestimmten Betroffenen das Fortschreiten verlangsamen. Auch Begleiterkrankungen wie Depressionen sowie ausgeprägte Verhaltenssymptome können gezielt behandelt werden. 

Wichtige Hinweise zur Medikation bei Demenz

Wichtig ist, dass die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt über alle Erkrankungen und sämtliche eingenommenen Mittel informiert ist. Dazu gehören neben verordneten Medikamenten unbedingt auch frei verkäufliche Arzneimittel, pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Auch diese können Neben- oder Wechselwirkungen verursachen oder die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. 

Länger eigenständig durch Antidementiva

Die Rolle des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn

Der Botenstoff Acetylcholin ist für die Signalübertragung im Gehirn mitzuständig. Bei Menschen mit einer Alzheimer-Krankheit wird Acetylcholin nicht mehr in ausreichender Menge produziert. Der Abbau des noch vorhandenen Botenstoffs kann mittels Medikation gehemmt werden und so die Signalübertragung stützen.  

Wie Acetylcholinesterasehemmer im Detail wirken

Medikamente wie Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin hemmen das Enzym Acetylcholinesterase, das für den Abbau von Acetylcholin verantwortlich ist. Personen mit Alzheimer, Lewy-Körperchen-Demenz oder einer Mischform der Demenz haben dadurch zwei Vorteile:

  • Die Medikamente können dazu beitragen, dass alltägliche Aufgaben länger selbstständig bewältigt werden können.
  • Fähigkeiten wie Denken, Lernen, Erinnern und Wahrnehmen können vorübergehend stabilisiert oder langsamer beeinträchtigt werden.

Mögliche Nebenwirkungen der Acetylcholinhemmer

Unter der Einnahme einiger dieser Medikamente können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Übelkeit und Durchfall auftreten. Die zuständige Ärztin oder der Arzt berät den Menschen mit Demenz dazu im Behandlungsgespräch.   

Warum Acetylcholinhemmer regelmäßig einzunehmen sind

Medikamente entfalten ihre volle Wirkung nur dann, wenn sie regelmäßig und wie vorgesehen eingenommen werden. Dies kann Menschen mit Demenz zunehmend schwerfallen. Um Angehörige bei der Medikation in der häuslichen Pflege zu unterstützen, sind auf der Internetseite des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) wichtige Informationen zu diesem Thema übersichtlich und verständlich zusammengestellt.

Behandlung mit Antidepressiva und Antipsychotika

Antidepressiva bei Demenz

Wenn die Diagnose einer Demenzform feststeht, stellt sich bei vielen Betroffenen eine reaktive Depression ein. Aber auch der Verlust der Nervenzellen selbst kann Ursache für depressive Stimmungen sein. Weil es ihrem Gehirn an den Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin mangelt, fühlen sich die Betroffenen oft mut- und antriebslos. Antidepressiva können dem entgegenwirken. Welches Medikament infrage kommt, muss die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit der betroffenen Person und gegebenenfalls den Angehörigen entscheiden.

Antipsychotika bei Verhaltensstörungen

Manche Menschen mit Demenz zeigen aggressives Verhalten, haben Sinnestäuschungen oder unterliegen wahnhaften Symptomen. Antipsychotika können solche Symptome lindern. Sie beeinflussen verschiedene Botenstoffsysteme im Gehirn und blockieren unter anderem die Wirkung von Dopamin an bestimmten Rezeptoren.

Häufig verordnete Antipsychotika sind Risperidon, Melperon und Pipamperon. Allerdings können Antipsychotika bei Menschen mit Demenz auch verschiedenste Nebenwirkungen hervorrufen. Deshalb sollte ihr Einsatz behutsam und mit Augenmaß erfolgen.

Nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Mehrere Personen führen gemeinsam Übungen aus und bewegen sich.

Neben medikamentösen Ansätzen gibt es eine Vielzahl nicht-medikamentöser Therapien, die für Menschen mit Demenz geeignet sind. Einige dieser Angebote sind fester Bestandteil bestimmter Betreuungsprogramme und finden oft in Gruppen statt. Andere orientieren sich stärker an den individuellen Bedürfnissen eines Menschen und kommen direkt in seinem sozialen Umfeld zum Einsatz. Welche nicht-medikamentöse Behandlung im Einzelfall am ehesten geeignet ist, entscheiden Ärztin oder Arzt, Patientin oder Patient und Angehörige am besten gemeinsam. 

Nicht alle nicht-medikamentösen Therapien bei Demenz können von einer Ärztin oder einem Arzt auf Rezept verordnet werden. Zu den verordnungsfähigen Heilmitteln gehören – wenn eine entsprechende medizinische Notwendigkeit besteht – insbesondere Ergotherapie, Physiotherapie sowie Sprach- und Schlucktherapie. Auch ein Hirnleistungstraining kann im Rahmen der Ergotherapie verordnet werden. 

Andere Angebote wie Musiktherapie, Kunsttherapie, Biografiearbeit oder Realitätsorientierung sind dagegen keine eigenständig verordnungsfähigen Heilmittel der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie können jedoch beispielsweise in Pflegeeinrichtungen, Kliniken, Reha-Angeboten oder anderen Betreuungs- und Therapieprogrammen angeboten werden.

Weiterführende Informationen zu medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten bietet die aktuelle Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie Demenzen.

Ergotherapie als Therapie bei Demenz

Alltagskompetenzen erhalten

Die Ergotherapie unterstützt Menschen mit Demenz dabei, ihre vorhandenen Fähigkeiten und ihre Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange zu erhalten. Gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten üben die Betroffenen beispielsweise Tätigkeiten wie Anziehen, Einkaufen, Kochen oder andere vertraute Abläufe des täglichen Lebens. 

Körper aktivieren und Wohlbefinden steigern

Körperliche Aktivierung kann dazu beitragen, Alltagsfunktionen, Beweglichkeit und Balance zu erhalten. Tanzen, Massagen und Anregungen für die Sinne können bei Patientinnen und Patienten mit mittlerer bis schwerer Demenz Freude und Aktivität auslösen. 

Physiotherapie als Therapie bei Demenz

Körper und kognitive Fähigkeiten aktivieren 

Regelmäßige und moderate körperliche Betätigung ist ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Krankheiten und ein wichtiger Baustein der Gesundheitsförderung im Alter. In vielen Studien zeigt sich auch ein deutlicher positiver Zusammenhang zwischen der körperlichen Aktivität und dem kognitiven Leistungsvermögen älterer Menschen.

Risiken minimieren und Aktivität erhalten

Über das gezielte Training von Ausdauer, Kraft und Koordination kann die Physiotherapie Menschen mit Demenz bei verschiedenen Aspekten helfen:

  • ein gesundes körperliches Aktivitätsniveau möglichst lange aufrecht zu erhalten
  • das Sturzrisiko im Alltag zu reduzieren
  • die Leistungsfähigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens zu stabilisieren oder zu verbessern

Kognitives Training als Therapie bei Demenz

Schulung von Wahrnehmung und Denkvermögen

Im frühen bis mittleren Stadium der Demenz können Betroffene ihre Wahrnehmung und ihr Denkvermögen schulen. 

Mögliche Übungen sind:

  • einfache Wortspiele
  • Bilder, Begriffe oder Gegenstände zuordnen
  • Begriffe erraten
  • bekannte Reime, Sprichwörter oder Redewendungen ergänzen

Individuelle Anpassung des kognitiven Trainings

Das kognitive Training sollte an die Fähigkeiten und Interessen der betroffenen Person angepasst werden. Die Übungen sollten weder über- noch unterfordern und möglichst als angenehm und sinnvoll erlebt werden.

Verhaltenstherapie als Therapie bei Demenz

Hilfe im Frühstadium 

Nach der Diagnose sind viele Menschen mit Demenz verunsichert und machen sich Sorgen über ihre Zukunft. Manche entwickeln depressive Symptome oder reagieren mit Trauer, Ängsten, Wut oder Rückzug. Insbesondere bei depressiven Symptomen im frühen Stadium kann eine kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein. Sie kann Betroffene dabei unterstützen, mit belastenden Gefühlen und den Veränderungen durch die Erkrankung umzugehen.  

Bewältigung und Umgang

Unterstützt von einer Psychologin beziehungsweise einem Psychologen oder einer Psychotherapeutin beziehungsweise einem Psychotherapeuten, lernen Betroffene, diese emotionalen Probleme zu bewältigen und mit ihrer Demenz besser umzugehen.

Biografiearbeit als Therapie bei Demenz

Identität stärken

Die biografische Arbeit ist besonders im frühen bis mittleren Stadium einer Demenz geeignet. Gezielte Gespräche mit der betroffenen Person – allein oder in der Gruppe – rufen mithilfe von Fotos, Büchern und persönlichen Gegenständen positive Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte wach.

Vorteile der biografischen Arbeit 

Biografiearbeit kann Menschen mit Demenz dabei unterstützen, an vertraute Erfahrungen anzuknüpfen und sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen. Kenntnisse über die Biografie helfen zugleich Angehörigen sowie Betreuungs- und Pflegepersonen, Vorlieben, Bedürfnisse, Äußerungen und Verhaltensweisen besser zu verstehen und angemessen darauf einzugehen.

Weitere Tipps zur Biografiearbeit können Sie unserem Blogbeitrag entnehmen.

Realitätsorientierung als Therapie bei Demenz

Die Realitätsorientierung kann Menschen mit Demenz dabei unterstützen, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Dabei helfen einfache Hinweise, die Orientierung zu Zeit, Ort und Situation erleichtern.

Hilfreich können zum Beispiel sein:

  • gut sichtbare Uhren und Kalender
  • Tagespläne oder Hinweise auf Jahreszeiten und besondere Ereignisse
  • Schilder, Symbole oder Fotos an Türen und Räumen
  • eine übersichtliche und vertraute Gestaltung der Umgebung

Wichtig ist, die betroffene Person nicht zu überfordern oder ständig auf Fehler hinzuweisen. Orientierung sollte angeboten, aber nicht aufgezwungen werden. Entscheidend ist, das Tempo und die Wahrnehmung des Menschen mit Demenz zu respektieren.

Musiktherapie als Therapie bei Demenz

Musiktherapie kann Betroffene in unterschiedlichen Stadien der Demenz ansprechen. Dabei kann Musik aktiv gestaltet oder einfach gehört werden.

  • Im frühen und mittleren Stadium können Menschen mit Demenz beispielsweise gemeinsam singen oder einfache Instrumente spielen. Auch das Hören vertrauter Musik kann Erinnerungen und Gefühle anregen.
  • Bei fortgeschrittener Demenz gewinnt häufig das Hören vertrauter Musik an Bedeutung. Bekannte Melodien können Wohlbefinden fördern, beruhigend wirken und einen Zugang zu Gefühlen und Erinnerungen ermöglichen.

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Kunsttherapie als Therapie bei Demenz

Kreativität und Ausdruck

Künstlerisches Gestalten kann Menschen mit Demenz die Möglichkeit geben, sich mit Farben, Formen und Materialien auszudrücken und eigene Interessen und Fähigkeiten zu nutzen. Dabei steht nicht das Ergebnis im Mittelpunkt, sondern die Freude am Gestalten und am gemeinsamen Erleben.

An die Fähigkeiten anpassen

Kunsttherapeutische Angebote sollten an die individuellen Fähigkeiten und Interessen angepasst sein und keinen Leistungsdruck erzeugen. Malen, Zeichnen oder Gestalten können vertraute Erfahrungen und Erinnerungen anregen und Gelegenheit zu Aktivität und Begegnung bieten.

Kommunikation ohne viele Worte

Kunsttherapie bietet auch Möglichkeiten des nonverbalen Ausdrucks. Gerade, wenn Menschen mit Demenz Schwierigkeiten haben, sich sprachlich mitzuteilen, können Farben, Bilder und Gestaltungen eine zusätzliche Form der Kommunikation ermöglichen. 

Milieutherapie als Therapie bei Demenz

Wohlbefinden durch Gestaltung der Umgebung

Die Milieutherapie ist in allen Stadien der Demenz sinnvoll. Sie zielt darauf ab, Wohn- und Lebensräume so umzugestalten, dass Betroffene sich darin wohlfühlen und möglichst selbstständig und selbstbestimmt leben können. 

Sensorische Anreize im Spätstadium

Auch bei fortgeschrittener Demenz können vertraute Sinneseindrücke eine wichtige Rolle spielen. Angenehme Materialien, bekannte Düfte, Musik oder vertraute Gegenstände können Wohlbefinden fördern und Erinnerungen oder Gefühle anregen.