Spiele und Beschäftigung – wertvolle Zeit für Menschen mit und ohne demenzielle Veränderungen
Wenn man vom Spielen spricht, so denkt man doch oft nur über Kinderspiele nach, und seltener kommen einem Spiele speziell für ältere Menschen in den Sinn. Dabei kann das Spielen so viel mehr sein als nur der reine Zeitvertreib. Als Spiele-Autorin für Spiele für ältere Menschen möchte ich das Thema einmal etwas anders beleuchten, als wir es häufig aus unserer Kindheit kennen.
Spiele für lebensältere Menschen
Ich sehe einen großen Unterschied zwischen Kinderspielen und Spielen für Seniorinnen und Senioren. So braucht es ansprechende, dem gelebten Leben der älteren Menschen entsprechende Themen, flexible Spielvarianten, eine gute Visualisierung und damit einhergehend ebenfalls eine gute Handhabung ohne viele Kleinteile. Das Gewinnen und Verlieren tritt in den Hintergrund, und das Lachen, das Miteinander und die Erinnerungsarbeit nehmen einen höheren Stellenwert ein.
Flexible Schwierigkeitsstufen können zudem die Menschen dort abholen, wo sie stehen und ein Schlüssel zur Seele sein. Je nach bestehenden Ressourcen und Fähigkeiten kann auch das einfache Zuordnen oder Verschieben von Plättchen oder das Gespräch über ein Foto eine spielerische Anregung sein und stellt die richtige kontextbezogene Beschäftigung dar.
Spielverständnis
So greift gerade das Wort „spielen“ in diesem Zusammenhang oft zu kurz. In der erweiterten Form könnte es ebenfalls aktivieren, betreuen, motivieren, beisammen sein, stimulieren, anregen und „Da sein“ beinhalten und eine gemeinsame Qualitätszeit bedeuten.
Gute, für ältere Menschen konzipierte Spiele und das regelmäßige Spielen, sei es mit Freunden, in der Familie oder in außerhäuslichen Spielerunden fördern nicht nur geistige Aktivität, Konzentration und Denkvermögen, sondern schaffen Gemeinschaft, Freude und Abwechslung im Alltag.
Dabei darf es gerne auch mal – wie auf dem Foto - um das reine Erinnern und Erzählen über ganz Alltägliches gehen und die Lebenswelt der älteren Menschen aktiv in das Spiel mit einbinden.
Biografieorientierte Spiele als Brücke nutzen
Gerade biografieorientierte Spiele sind eine gute Möglichkeit ins Gespräch zu kommen und sprechen Menschen mit und ohne Demenz gleichermaßen an. Unangenehme Abfragesituationen werden vermieden, und der Austausch über Erfahrungen ist das eigentliche Spielziel. Denn das Erinnern an die eigene Biografie bedeutet sowohl Rückschau als auch das aktive Einbeziehen von Lebensgeschichten und dem hier und jetzt. Dies bietet somit auch Orientierung, Sicherheit und Identitätserhalt. Auch für die jüngere Generation ist dies eine spannende Erfahrung. So erhält sie Einblicke in die Erfahrungswelt der älteren Generation, und das Spielen kann eine Verbindung zwischen den Generationen bieten. Wenn die Großeltern mit den Enkeln spielen oder jüngere Kinder zu Besuch in einem Seniorenheim sind, erleichtern Spiele die den Zugang, und es entsteht eine Verbindung über das Spielen hinaus. Auch können die Jüngeren ihre Erfahrungen teilen und Perspektiven und die eigenen Kenntnisse mit den älteren Menschen austauschen. So entstehen wertvolle Begegnungen und Gesprächsanlässe für beide Seiten. Die Impulse dabei können vielfältig sein, und manchmal reicht auch ein Foto um Gespräche anzuregen und Lebensschätze zu bergen.
Spielkonzepte anpassen
Spiele brauchen kein hochkomplexes Regelwerk, aber einen seniorengerechten Stil und ein für diese Generation interessantes Spielthema, das Spielfreude vermittelt, Hemmschwellen umgeht und eine flexible Spieldauer entsprechend berücksichtigt. Individuelle Schwierigkeitsstufen innerhalb eines Spiels ermöglichen es auf die Menschen einzugehen und eine flexible Anpassung vorzunehmen, denn häufig sind die klassischen Regelwerke nicht mehr verankert. Doch mit leichten, angepassten Spielvarianten können auch Menschen mit Demenz eingebunden werden, die Abwechslung genießen und Erinnerungen werden geweckt.
Die Ansprache kann aus verschiedensten Impulsen entstehen, und so manch eine verloren geglaubte Erinnerung oder Fähigkeit wird wieder entdeckt. Auch motivieren Spiele zur Bewegung und regen darüber hinaus die Sinne an. Kleine Aktivitäten, Aufsetzen, Würfeln, Kartenziehen reaktivieren vorhandene und vertraute Bewegungsabläufe und können sich positiv auf den Alltag auswirken.
Spieldauer:
Es gibt spezielle Spiele, da dauert eine Spielrunde nur circa 2 bis 4 Minuten. Danach kann, je nach Lust und Laune entschieden werden, ob eine zweite Partie gewünscht ist, denn Dauer und die Konzentrationszeit gerade bei demenziell veränderten Menschen sind sehr individuell.
Und das kennt jeder von sich selbst: Ist die Konzentrationsphase ausgereizt, verliert man die Lust am Spielen und es bauen sich Hemmschwellen und Ängste auf.
Spiel kann viel!
Insgesamt ist das Spielen mit lebensälteren Menschen auch deshalb so sinnhaft, weil es neben dem Zeitvertreib auch die emotionale, soziale, motorische und kognitive Ebene anspricht und gleichzeitig Freude, Beschäftigung und Lebensqualität in den Alltag bringt.
Spielziele
Spielziele können unter anderem:
Anreize und Motivation geben …
- zum Austausch
- um Kontakt herzustellen
- zum Erinnern
- für kleine Glücksmomente
- zur Aktivität
- zur Teilhabe – ich bin nicht allein
- zur Rückschau
- zur Bewegung
- zur Stärkung der Identität
- zu einer angenehmen, gemeinsamen Zeit
Auswahl
Folgende Punkte geben Orientierung für die Auswahl seniorengerechter Spiele, die sich hilfreich auf Spielfreude und Motivation auswirken.
- ansprechende Themenwahl
- biografische Anknüpfungspunkte
- ansprechende Materialien
- gute Visualisierung – keine Wimmelbilder
- gute Handhabe – keine Kleinteile
- unterschiedliche Spielvarianten (Dauer / Schwierigkeit / Ablauf)
- Bezug zum Altbekannten
- flexible Einsatzbereiche
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