Körperpflege und Inkontinenz

Inkontinenz bedeutet, dass Personen teilweise oder ganz die Fähigkeit verlieren, Blase und Darm kontrolliert zu entleeren. Mit steigendem Lebensalter erhöht sich auch das Risiko für Inkontinenz. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Ursachen und Faktoren, die zu Inkontinenz führen können. Daher ist es unbedingt ratsam, dies ärztlich abklären zu lassen.
Häufig ist das Thema Inkontinenz auch für Angehörige schwierig und schambehaftet. Je besser Sie jedoch mit dem Thema vertraut sind, desto mehr Möglichkeiten haben Sie damit umzugehen. Scheuen Sie daher nicht das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen sowie Kontinenzberaterinnen und Kontinenzberatern. Denn die nichtkompensierte Inkontinenz schränkt die Teilhabemöglichkeiten weiter ein und birgt zudem auch gesundheitliche Risiken, die vermieden werden können.

Wenn es (erstmals) passiert ist

  • Gestehen Sie sich zu, Abneigung zu empfinden. Versuchen Sie jedoch Ruhe zu bewahren, möglichst ohne Ihre Irritation oder Verärgerung zu zeigen. Vergessen Sie nicht, dass die Inkontinenz eine Folge von Umständen ist, für die der Mensch mit Demenz nichts kann und ihm das Missgeschick selbstverständlich auch peinlich ist. Belasten Sie die Situation nicht zusätzlich durch Schuldzuweisungen oder Rügen.
  • Machen Sie sich eine kurze Notiz zum Zeitpunkt und den Umständen. Dies kann sowohl Ihnen als auch der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt sowie dem Pflegefachpersonal helfen, die Inkontinenz zu beurteilen und gegebenenfalls bereits getroffene Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit einzuschätzen.    

Empfehlungen zum Umgang mit Inkontinenz

Inkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Nicht selten gibt es auch nicht nur einen ursächlichen Umstand, sondern eine Kombination solcher. Es ist wichtig, dass diesen mit ärztlicher Unterstützung auf den Grund gegangen wird, um eine effiziente Behandlung einleiten zu können. Beraten Sie gemeinsam Schritte zur Kontinenzförderung.

Über die ärztliche Behandlung hinaus können Sie auch selbst dazu beitragen, den Alltag und die Umgebung so zu gestalten, dass der Umgang mit Inkontinenz erleichtert wird. Wir haben nachfolgend einige Tipps für Sie zusammengestellt. Wichtig dabei ist, dass eine Demenz für die Betroffenen besondere Schwierigkeiten mit sich bringen kann – beispielsweise, weil die Toilette nicht auf Anhieb gefunden wird und die plötzliche Suche danach zu lange dauert.

  • Für unterwegs bietet es sich an, eine eigene „Ausgehtasche“ zu packen, welche Ersatzvorlagen, Waschutensilien und verschließbare Mülltüten beinhaltet sowie je nach Bedarf entsprechende Hautpflegeprodukte.
  • Beseitigen Sie Hürden und Stolperfallen auf dem Weg zur Toilette, machen Sie das Gehen so sicher wie möglich und befestigen Sie zum Beispiel Teppiche und Läufer am Boden oder entfernen Sie diese direkt. Der Gang zur Toilette birgt ein erhöhtes Sturzrisiko, da häufig versucht wird in aller Eile die Toilette zu erreichen. Achten Sie daher auch auf geeignetes Schuhwerk (festsitzende Hausschuhe). Insbesondere nachts kann es sinnvoll sein, Betroffene mit sogenannten Anti-Rutsch-Socken auszustatten, so dass im Dunkeln nicht nach den Hausschuhen gesucht werden muss.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Weg zur Toilette gut ausgeleuchtet ist. Für relativ wenig Geld sind Bewegungsmelder für die Steckdose erhältlich, sodass nachts der Weg zur Toilette automatisch beleuchtet wird, wenn der Betroffene danach sucht. Weitere technische Hilfsmittel können Sie hier im Wegweiser Demenz finden.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Tür zur Toilette eindeutig beschriftet ist. Bringen Sie die Beschriftung in Augenhöhe des Menschen mit Demenz an. Vermeiden Sie Beschädigungen an der Tür, wenn Sie Papierausdrucke oder Folierungen verwenden. Im Extremfall und abhängig von den Wohnumständen kann es sinnvoll sein, die Tür komplett zu entfernen.
  • Kontraste im Badezimmer können helfen, die Toilette zu identifizieren – farbige Toilettendeckel sind ein Beispiel hierfür. Weitere Tipps können Sie bei Wohnraumberatungsstellen erfahren, im Sanitätshaus oder beim Pflegestützpunkt.
  • Entfernen Sie aus dem Bad und Wohnbereich Gegenstände, die mit einer Toilette verwechselt werden können. Jedoch: Uriniert Ihr Angehöriger beispielsweise regelmäßig in einen Mülleimer, kann es sinnvoll sein, diesen mit aufsaugendem Material auszustatten und regelmäßig zu leeren und zu reinigen, statt ihn zu entfernen. Das Risiko bei einer ersatzlosen Entfernung besteht darin, dass Ihre Angehörige oder Ihr Angehöriger sonst keinen Ort mehr findet um seine Notdurft zu verrichten und aus der Not heraus einen anderen Bereich im Raum dafür nutzt. Wird in beziehungsweise gegen Zimmerpflanzen uriniert, kann diese durch eine Kunstpflanze ausgetauscht werden und statt Blumenerde beispielsweise Katzenstreu für den Topf benutzt werden.
  • Prüfen Sie, ob anteilig ältere Sanitärtechnik weiter genutzt oder sogar wieder installiert werden kann. Schlichte Wasserhähne statt Einhebelmischbatterien, eine Strippe zum Abziehen statt der modernen Druckplatte oder gar eines Sensors der automatisch nach Benutzung den Spülvorgang auslöst – Dinge die den Betroffenen in Funktion und Handhabung bekannt sind, können länger selbständig genutzt werden. Statt eines Seifenspenders empfiehlt sich daher auch ein Stück feste Seife am Waschbecken. Entscheidend ist, was Ihre Angehörige oder Ihr Angehöriger bisher gewohnt war.
  • Nutzen Sie die tägliche Situation sich anzukleiden oder auszuziehen um immer wieder zu prüfen: Schafft meine Angehörige oder mein Angehöriger das noch allein? Reißverschlüsse sind häufig einfacher zu handhaben als Knöpfe oder Haken und Ösen. Gelingt dies nicht mehr oder nicht mehr in einem angemessenen Zeitraum ist es Zeit, die Kleidung anzupassen. Kleidung mit Gummibund oder Klettverschlüsse sind leichter zu bedienen. Im Seniorenfachhandel finden Sie entsprechende Kleidungsstücke und Inspiration mit ansprechender, aber leicht zu handhabender Kleidung.
  • Bei der Wahl des passenden Inkontinenzartikels sollten Sie sich ebenfalls beraten lassen und darauf einstellen, dass sie mehrere Arten ausprobieren müssen. Entscheidend ist die Akzeptanz der oder des Betroffenen – sie oder er muss sich damit wohl fühlen.

Empfehlungen zum Toilettengang

Manche Betroffene brauchen ein Höchstmaß an Anleitung und Aufmerksamkeit, um den Toilettengang zu bewältigen. Bei anderen wiederum gelingt der Vorgang am besten, wenn er mit Ablenkung einhergeht. Während einer Unterhaltung oder dem Singen eines Liedes zum Beispiel. Diese lenken von dem eigentlichen Ziel, dem Toilettengang, ab. Probieren Sie aus, wie es mit Ihrer Angehörigen oder Ihrem Angehörigen am besten gelingt und handhaben Sie dies sehr flexibel.
Viele Angehörige berichten, dass Betroffene nur schwer dazu zu bewegen sind, sich auf die Toilette zu setzen. Und einmal hingesetzt, versuchen sie sofort wieder aufzustehen. Dies kann damit zusammenhängen, dass Menschen mit Demenz den Vorgang nicht nachvollziehen können, nicht verstehen was sie „dort“ sollen. Fehlende Armlehnen zum Festhalten und eine (weiße) unsichtbare Rücklehne können zudem dazu führen, dass der Mensch mit Demenz das Gefühl hat, sich „ins Leere“ zu setzen und womöglich zu stürzen.

  • Sie kennen Ihren Angehörigen am besten. Achten Sie auf typische Anzeichen die darauf hinweisen, dass die oder der Betroffene zur Toilette muss. Dies können beispielsweise suchendes Umhergehen oder Nesteln an der Kleidung sein. Weisen Sie auch Dritte, die in die Versorgung eingebunden sind, auf diese Anzeichen hin. Dies ist insbesondere wichtig, wenn der Mensch mit Demenz seine Bedürfnisse nicht mehr mitteilen kann.
  • Wenn der Vorgang des sich Hinsetzens schwierig ist, kann es helfen den Ablauf zusammen durchzuführen. Hier bietet sich ein Hocker oder Stuhl gegenüber der Toilette an, sodass Sie sich gemeinsam Hinsetzen können. Dies hilft dem Menschen mit Demenz zu verstehen, was er tun soll beziehungsweise kann ihn zur Nachahmung veranlassen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Griffe oder Toilettensitze mit Armlehnen zur Verfügung stehen, an denen der Mensch mit Demenz sich während des Hinsetzens und Sitzens festhalten kann. Probieren Sie aus, was Ihre Angehörige oder Ihren Angehörigen (länger) sitzen lässt – das kann zum Beispiel sanfte Musik oder eine angewärmte Toilettenbrille sein. Auch hier können Ihnen biographische Informationen weiterhelfen: Hatte der Mensch mit Demenz eine bestimmte Gewohnheit während des Toilettengangs? Das Lesen einer Zeitschrift oder Lösen von Kreuzworträtseln gehört für manche Personen dazu. Unterstützen Sie den Vorgang, in dem Sie solche Angewohnheiten und Rituale beibehalten.
  • Es ist verständlich, wenn Sie während des Toilettenganges den Raum verlassen wollen und normalerweise ist dies auch richtig und üblich. Solange Sie jedoch anwesend sind, verzichten Sie unbedingt darauf, die oder den Betroffenen auf die Toilette zu drücken oder dort mit Gewalt festzuhalten. Leicht kann es nicht nur zur aggressiven Gegenwehr kommen, auch wird der Vorgang mit einem negativen Erlebnis verbunden und künftig dadurch nicht leichter. 

Empfehlungen zum Umgang mit Inkontinenzmaterial

  • Fördern Sie die Akzeptanz, in dem Sie auf die Bezeichnung „Windel“ verzichten. Babys erhalten Windeln oder werden gewindelt. Erwachsene Menschen nutzen Inkontinenzartikel, Vorlagen, Einlagen, Schutzhosen oder einfach „Pants“.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie einige Artikel ausprobieren müssen. Vorlagen müssen richtig sitzen und angenehm zu tragen sein. Es gibt eine Vielfalt von Anbietern und Produkten, sodass es etwas dauern kann, bis das in jeder Hinsicht passende Produkt gefunden ist, welches dann auch akzeptiert wird. Lassen Sie sich hierzu auch beispielsweise im Sanitätshaus beraten. Häufig ist die Akzeptanz umso höher, je stärker der Artikel einer Unterhose gleicht. Auch, weil diese länger selbständig genutzt werden können und sich Betroffene dadurch weniger beeinträchtigt fühlen.
  • Lassen Sie sich bezüglich Bettunterlagen beraten. Denn trotz Schutzhose kann etwas daneben gehen.
  • Wird die Vorlage häufig ausgezogen oder zerrupft, werten Sie dies zunächst als Hinweis darauf, dass das Produkt noch nicht das richtige ist. Grundsätzlich sollte regelmäßig der Hautzustand kontrolliert werden. Das Ausziehen oder Zerpflücken des Inkontinenzartikels kann Ihnen allerdings zusätzlich den Hinweis geben, dass der Betroffene darin schwitzt oder sich durch das Material ein Juckreiz entwickelt und es somit nicht angenehm zu tragen ist. Hier ist vermutlich die einzige Lösung, weitere Produkte auszuprobieren.
  • Trotz der Prüfung möglicher Ursachen und dem Wechsel des Inkontinenzartikels kann manchmal keine Akzeptanz bei dem Menschen mit Demenz erreicht werden. Das Zerpflücken der Vorlage und Kotschmieren bleibt bestehen. Allgemein wird empfohlen, wenn keine andere Maßnahme Abhilfe schaffen konnte, sogenannte Overalls zu benutzen. Auf diese Weise sollen Betroffene daran gehindert werden, sich insbesondere nachts die Vorlage zu entfernen. Wichtig ist, dass Sie zuvor andere Maßnahmen wie vorstehend aufgeführt, versucht haben. Zudem können Sie versuchen, den Händen eine Alternativbeschäftigung anzubieten, zum Beispiel durch eine Nesteldecke oder Zeitung, so dass damit hantiert werden kann, statt die Vorlage zu zerpflücken.

Betroffene und Angehörige haben als „Nebenwirkung“ zusätzlich auch mit einer möglichen Geruchsbelästigung zu kämpfen. Probieren Sie aus, ob ein an unauffälliger Stelle platzierter Duftspender Abhilfe schafft. Diesen gibt es auch als Versionen, bei denen ein Zeitintervall zur Duftstoßabgabe eingestellt werden kann. Achten Sie darauf, dass die Düfte und Aromen jedoch nicht zu penetrant werden. Als ungeeignet haben sich hinsichtlich des Aufwandes Einwegduftspender erwiesen, wie man sie beispielsweise aus dem Auto kennt. Achten Sie bei Duft-Potpourris darauf, dass diese nicht mit Nahrungsmitteln verwechselt werden können.


Viele weitere alltags- und praxistaugliche Tipps und Informationen finden Sie im Ratgeber des Zentrum für Qualität in der Pflege.

Körperhygiene aufrechterhalten

Manche Menschen mit Demenz verweigern irgendwann die Körperpflege und das regelmäßige Wechseln der Kleidung.
Wenn die Betroffenen Duschen und Baden ablehnen, hilft manchmal eine Art „Rezept“ vom Arzt ausstellen zu lassen, auf dem die Körperpflege des ganzen Körpers einmal wöchentlich „verschrieben“ wird. Es kommt aber auch vor, dass die Körperpflege aus Schamgefühl abgelehnt wird, weil sie sich nicht ohne Kleidung vor anderen Personen zeigen möchten. Hier kann es helfen, wenn Sie die oder den Betroffenen mit Unterwäsche duschen oder baden lassen.

Einige Menschen mit Demenz beharren darauf, immer dieselben Kleidungsstücke zu tragen. Sie nehmen diese als frisch und sauber wahr, obwohl sie schon voller Flecken und unguter Gerüche sind. In diesem Fall kann man sich manchmal nur damit behelfen, dass man Verschmutztes, insbesondere die Lieblingskleiderstücke, umgehend nach dem abendlichen oder morgendlichen Umkleiden sofort in der Waschmaschine wäscht und zum Trocknen aufhängt, damit sie beim nächsten Umkleiden wieder zur Verfügung stehen. Manchmal ist es auch hilfreich, ähnlich aussehende „Kopien“ der Lieblingskleidung anzuschaffen und diese unauffällig gegeneinander auszutauschen.

Manche Menschen mit Demenz trocknen aus Sparsamkeit auch Inkontinenz-Vorlagen auf der Heizung. Um die von ihnen nicht wahrnehmbare Geruchsentwicklung zu unterbinden, ein Mindestmaß an Hygiene zu gewährleisten und sie obendrein nicht zu beschämen, sollten die benutzten Vorlagen kommentarlos und möglichst unauffällig gegen frische Vorlagen ausgetauscht werden.

Kleidung an- und ausziehen

Das selbstständige An- und Ausziehen ist für die meisten erwachsenen Menschen normal. Dabei Unterstützung zu benötigen, ist eine Erkenntnis, die schwerfallen kann. Gerade das Umziehen von Unterwäsche berührt auch die Intimsphäre einer Person. Menschen mit Demenz sollten sich grundsätzlich so lange wie möglich selbstständig umziehen und die eigene Kleidung auswählen. Dadurch werden ihre Intim- und Privatsphäre geachtet, Selbständig- und Selbstwirksamkeit gestärkt und dem individuellen Stil Rechnung getragen.

Mit fortgeschrittener Demenz kann es passieren, dass Betroffene der Jahreszeit unangemessene Kleidung auswählen, in der sie frieren oder schwitzen. Um das zu verhindern, empfiehlt es sich, im Sommer die Winterbekleidung (und umgekehrt) aus dem Kleiderschrank zu entfernen. Um den Menschen mit Demenz in den Ankleideprozess zu integrieren und ihn zugleich nicht mit einer großen Auswahl zu überfordern, könnte die Person vor die Wahl zwischen zwei (wettertechnisch angemessenen) Bekleidungen gestellt werden.

Grundsätzlich muss darauf geachtet werden, dass Betroffene die Möglichkeit haben, sich zeitlich zu orientieren. Ein Kalender, der Hinweis auf den eben gefallenen Schnee oder darauf, dass die Wettervorhersage einen heißen Tag versprochen hat, unterstützen die Orientierung – und erleichtern somit auch die Auswahl und Akzeptanz angemessener Kleidung.  


Unterstützung beim Umziehen anbieten
Eine Demenz kann bewirken, dass Betroffene vergessen, wie bestimmte Kleidungsstücke angelegt werden und in welcher Reihenfolge sie anzuziehen sind. So könnten Menschen mit Demenz ihr Unterhemd über den Pullover streifen oder eine Unterhose wie eine Mütze auf den Kopf setzen. Um Sicherheit zu vermitteln und sie vor beschämenden Situationen zu schützen, sollte die Unter- und Oberbekleidung in der richtigen Reihenfolge hingelegt werden – so, dass die Unterwäsche oben auf der restlichen Kleidung liegt. Bei manchen Menschen funktioniert das Anziehen in der richtigen Reihenfolge dann besser, wenn die Kleidung von links nach rechts (also in Leserichtung) bereitgelegt wird.

Es ist ratsam, die Betroffenen vor dem Ankleideprozess die Toilette aufsuchen zu lassen, damit plötzlicher Harndrang sie nicht aus dem Konzept bringen kann. Auch wenn die Anwesenheit von Angehörigen während des Umziehens akzeptiert wird, sollten Hilfestellungen auf das Notwendigste beschränkt werden. Gut ist, das eigene Eingreifen nicht mit den Folgen der Demenz, sondern beispielsweise mit Bewegungseinschränkungen der betroffenen Person zu begründen, sofern dies überhaupt erforderlich ist.

Machen Sie sich bewusst: Menschen mit Demenz müssen sich beim An- und Ausziehen sehr konzentrieren und mit steigendem Alter brauchen sie dafür auch zunehmend länger. Deswegen sollte grundsätzlich viel Geduld vorhanden sein und darauf geachtet werden, dass keine Ablenkung wie beispielsweise durch Hintergrundlärm oder Unterbrechungen entsteht. Anweisungen sollten unbedingt Schritt für Schritt erfolgen, um Verwirrung und Überforderung zu vermeiden. Erwachsenengemäßes Lob und Komplimente können dabei gute Motivatoren sein.

Sollte der Mensch mit Demenz sich nicht mehr eigenständig umziehen können, empfiehlt es sich manchmal die eigene Hilfe spielerisch, wie nebenbei anzubieten. Dabei ist es hilfreich Routinen zu nutzen und die Prozedur stets in der gleichen Reihenfolge durchzuführen. Sollte die oder der Betroffene Fehler beim Umziehen machen, können Lieder singen oder Scherze von der Situation ablenken. In der Regel ist es besser, Menschen mit Demenz pantomimisch zu veranschaulichen, wie man ein Kleidungsstück anzieht beziehungsweise verschließt, statt an ihnen wie an einem Kleinkind herumzunesteln.

Wenn die Betroffenen darauf bestehen, verschwitzte oder eingenässte Wäsche nach der Körperpflege wieder anzuziehen, weil sie sie für sauber halten, sollten diese schnell und unauffällig aus ihrem Sichtfeld geräumt werden. Hilfreich ist in diesem Fall auch, wenn man Lieblingsteile mehrfach anschafft und die verschmutzten Kleidungsstücke in einem unbeobachteten Augenblick gegen die sauberen austauscht.

Um die Betroffenen dazu zu bewegen, ein verschmutztes Kleidungsstück auszuziehen, ist es manchmal ratsam, nicht auf vorhandene Flecken hinzuweisen, sondern „ungeschickterweise“ selber welche zu produzieren. Dabei kann etwa bei der Rasur der Rasierschaum „versehentlich“ auf das dreckige Hemd gesprüht oder beim Abräumen des Mittagstischs etwas von der bereits erkalteten Bratensoße auf die ohnehin eingenässte Hose gekleckert werden. Wenn Menschen mit Demenz die Feuchtigkeit in solchen Momenten spüren und andere Personen die Schuldigen an dem Malheur sind, stehen sie dem Umziehen häufig offen gegenüber.

Sobald Menschen mit Demenz Probleme mit bestimmten Kleidungsstücken oder Verschlussmechanismen bekommen, gilt es zu überlegen, mit welchen Anpassungen man das Problem aus der Welt schaffen kann.


Tipps für die Auswahl der Kleidung
Der Kleidungsstil eines jeden Menschen ist auch Ausdruck seiner Identität. Bei der Auswahl der Kleidung sollten einerseits die Vorlieben sowie die vertrauten Kleidungsstücke des Menschen mit Demenz berücksichtigt werden. Andererseits sollte das Fortschreiten der Demenz, das Abnehmen der Feinmotorik und gegebenenfalls die Inkontinenz beachtet werden. Zwischen diesen verschiedenen Punkten muss eine gute Balance gefunden werden.
 

  • Grundsätzlich gilt: Damit eine Person mit Demenz neue Kleidungsstücke akzeptiert, sollten diese den aktuellen Kleidungsstücken sehr ähnlich sehen. Wählen Sie die jeweiligen Lieblingsfarben sowie Stoffe und Stilrichtungen aus, die sie oder er schon immer bevorzugt. Lassen Sie die Betroffenen die Kleidung so oft wie möglich selbst aussuchen.
  • Je mehr das alters- und krankheitsbedingte Kleckern und Einnässen zunimmt, desto wichtiger ist es für Angehörige, dass die Kleidung des Menschen mit Demenz pflegeleicht, eventuell sogar bügelfrei und auch bei häufigem Waschen formbeständig ist.
  • Kleidungsstücke für Menschen mit Demenz sollten weder zu weit noch zu eng sein. Am besten ist es, wenn das Material dehnbar sowie komfortabel ist und weite Einstiege bietet. Dies fördert einerseits das Wohlbefinden und erleichtert andererseits das An- und Ausziehen.
  • Manche Personen mit fortgeschrittener Demenz reagieren ängstlich, wenn ihnen Kleidungsstücke über den Kopf gezogen werden. Daher kann es ratsam sein, für sie eher Strickjacken als Pullover zu kaufen.
  • Kleine Knöpfe, Reißverschlüsse oder komplizierte Gürtelschnallen erschweren das An- oder Ausziehen häufig. Im besten Fall weisen die Kleidungsstücke gar keine feinmotorischen Herausforderungen auf. Sollte dies jedoch nicht umgangen werden können, sollte die Kleidung große, leicht zu schließende Knöpfe aufweisen. Damit kann sich ein Mensch mit Demenz auch trotz der nachlassenden Feinmotorik noch selbstständig an- und ausziehen. Anfangs könnten beispielsweise auch Druckknöpfe benutzt werden. In späteren Stadien können Klettverschlüsse ihren Einsatz finden.
  • Frauen mit Demenz kommen möglicherweise besser mit einem Büstenhalter klar, den man an der Vorderseite verschließt.
  • Röcke und Hosen sollten nicht nur bequem sitzen, sondern im Falle des plötzlichen Harndrangs auch schnell und umstandslos heruntergezogen werden können. Daher haben Modelle mit einem elastischen Bund Vorteile gegenüber solchen mit Knöpfen und Reißverschlüssen.
  • Die Schuhe sollten rutschfest sein: Eine Gummisohle bietet mehr Sicherheit als eine Ledersohle. Da die Betroffenen auch Probleme mit dem Binden einer Schleife bekommen können, eignen sich Slipper oder Modelle mit Klettverschluss besser als Schuhe mit Schnürsenkeln.
  • Manche Fachleute raten zum Anschaffen funktioneller Unterwäsche bei Inkontinenz. Entsprechende Unterhosen lassen sich einfacher an- und ausziehen. Zudem sind sie in der Regel so geschnitten, dass Inkontinenzeinlagen besser hineinpassen.
  • Auf keinen Fall sollte man vor dem Einzug in ein Pflegeheim neue Kleider anschaffen. Angesichts der schmerzhaften Umstellung auf die neue Lebenssituation bedeuten vertraute, wenn auch vielleicht verschlissene Lieblingsteile Halt und Sicherheit für die betroffene Person. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass Menschen mit Demenz ihre Bekleidungs-Gewohnheiten nicht umstellen müssen. In der Regel scheitert nämlich der Versuch, beispielsweise eine Frau, die ein Leben lang Wert auf ein feminines Äußeres gelegt hat, an das Tragen einer weiteren Jogginghose zu gewöhnen. Man sollte also der Hausfrau mit Demenz ermöglichen, dort wochentags ihre Kittelschürze anzuziehen, selbst, wenn sie keine Hausarbeiten mehr erledigt. Den Handwerker sollte man unter der Woche seine Arbeitsbekleidung tragen lassen, wenn diese ihn in seiner Identität stärkt.