Jochen Gust

Demenz vorbeugen: Was möglich ist – und was niemand versprechen kann

Viele Menschen fragen sich, ob sie einer Demenz vorbeugen können. Bewegung, ausgewogene Ernährung, soziale Kontakte oder die Behandlung von Bluthochdruck werden dabei häufig genannt. Gleichzeitig sorgen zugespitzte Aussagen für Verunsicherung: Manchmal entsteht der Eindruck, fast jede zweite Demenzerkrankung ließe sich verhindern, wenn Menschen nur gesund genug lebten. Nur, das stimmt so nicht. Diese Schlagzeilen unterstellen damit mehr oder minder deutlich, Demenz sei eine Art „Life-Style“-Problem. 

So einfach ist es nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahr 2026 ihre Leitlinie zur Verringerung des Risikos für kognitiven Abbau und Demenz aktualisiert. Darin prüft sie, welche konkreten Maßnahmen wissenschaftlich nachweisbare Vorteile bringen. Das Ergebnis fällt deutlich vorsichtiger aus, als manche Schlagzeile vermuten lässt.

Die WHO empfiehlt weiterhin regelmäßige Bewegung, Rauchstopp und eine ausgewogene Ernährung. Auch gesundheitliche Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder Hörverlust sollten erkannt und behandelt werden. Neu bewertet wurden unter anderem soziale Aktivitäten, geistige Anregung, Luftverschmutzung und Programme, die mehrere Risikofaktoren gleichzeitig berücksichtigen.

Viele dieser Empfehlungen gelten jedoch nur mit Vorbehalt. Das bedeutet: Die WHO sieht einen möglichen Nutzen, doch die Studienlage ist teilweise unsicher, die gemessene Wirkung gering oder nicht auf alle Menschen übertragbar. Selbst Programme, die Bewegung, Ernährung und kognitive Übungen miteinander verbinden, konnten bislang nicht zuverlässig zeigen, dass dadurch deutlich weniger Menschen an Demenz erkranken.

Prävention ist sinnvoll – geben Sie acht auf sich selbst

Eine wichtige Botschaft: Prävention kann sinnvoll sein, aber sie bietet keinen sicheren Schutz gegen Demenz. Ein Mensch kann sich viel bewegen, ausgewogen ernähren, soziale Kontakte pflegen und trotzdem an Demenz erkranken. Umgekehrt ist eine Erkrankung kein Beweis dafür, dass jemand zu wenig für seine Gesundheit getan hat.

Auch von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man keine vorbeugende Wirkung erwarten. Vitamin B und E, Omega-3-Fettsäuren sowie Multivitamin- und Mineralstoffpräparate empfiehlt die WHO Menschen ohne festgestellten Mangel nicht zur Demenzprävention.

Sinnvoll bleibt, die eigene Gesundheit zu fördern – nicht aus Angst und nicht mit dem Anspruch, jede Erkrankung verhindern zu müssen beziehungsweise zu können. Bewegung, soziale Teilhabe, gute medizinische Versorgung und eine ausgewogene Ernährung können Lebensqualität und allgemeine Gesundheit verbessern. Und das sind doch insgesamt erstrebenswerte Ziele.

Auf der Internetseite der WHO können Sie die neue Leitlinie direkt aufrufen. 

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