Hat mein Vater seine Tabletten heute Morgen schon genommen? Warum liegen die Medikamente meiner Mutter noch auf dem Tisch? Und was mache ich, wenn sie ihre Tabletten einfach nicht nehmen möchte?
Solche Fragen gehören für viele pflegende Angehörige zum Alltag. Wie häufig Probleme bei der Medikamenteneinnahme auftreten, zeigt eine neue Untersuchung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP).
Jeder Zweite berichtet von Problemen
Für die im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung wurden 1.012 pflegende Angehörige befragt. Die Hälfte gab an, dass Medikamente der pflegebedürftigen Person innerhalb der vergangenen sechs Monate mindestens einmal falsch oder gar nicht angewendet wurden. Bei 19 Prozent kam dies wiederholt vor.
Die Untersuchung bezieht sich auf die häusliche Pflege insgesamt, nicht ausschließlich auf Menschen mit Demenz. Gerade bei einer Demenz können jedoch besondere Schwierigkeiten hinzukommen: Medikamente werden vergessen, miteinander verwechselt oder abgelehnt. Manchmal versteht die erkrankte Person auch nicht mehr, wozu sie die Tabletten einnehmen soll – die mangelnde Einsicht in den eigenen Krankheitsstatus ist bei fortgeschrittener Demenz typisch.
Was können Angehörige tun?
Hilfreich ist zunächst ein aktueller Medikamentenplan, auf dem alle Arzneimittel mit ihren Einnahmezeiten stehen. Feste Gewohnheiten können zusätzlich Orientierung geben, etwa die Einnahme immer zur gleichen Tageszeit.
Wenn Zweifel bestehen, ob ein Medikament bereits eingenommen wurde, sollte keinesfalls vorsorglich eine weitere Dosis gegeben werden. Stattdessen ist Rücksprache mit der Arztpraxis oder Apotheke sinnvoll.
Tipp: Eine Tablettenbox kann helfen, den Überblick zu behalten. Bei Menschen mit Demenz kann es zudem notwendig werden, die Einnahme zu begleiten und Medikamente sicher aufzubewahren. In einem fortgeschrittenen Stadium sollten sie zugeteilt werden, dies stellt sicher, dass sie wirklich nur die Medikamente einnehmen, die zum jeweiligen Zeitpunkt vorgesehen sind.
Und wenn Medikamente abgelehnt werden?
Nicht jede Ablehnung ist Ausdruck der Demenz. Vielleicht fällt das Schlucken schwer, das Medikament schmeckt unangenehm oder die betroffene Person möchte es schlicht nicht einnehmen.
Druck und Zwang sind keine Lösung. Medikamente sollten und dürfen auch nicht heimlich unter das Essen gemischt werden. Besser ist es, die Ursachen herauszufinden und gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt nach Alternativen zu suchen. Eine andere Darreichungsform – zum Beispiel Flüssigkeit (Tropfen) statt einer Tablette - kann das Problem schon lösen.
Wichtig: Die Verantwortung für eine sichere Medikamenteneinnahme müssen Angehörige nicht allein tragen. Ärztliche Praxen, Apotheken und ambulante Pflegedienste können dabei unterstützen. Wichtig bleibt stets eine konsequente Rückmeldung an den behandelnden Arzt / Pflegedienst, wenn die Medikamenteneinnahme nicht wie vorgesehen funktioniert. Nur so können entsprechende Risiken eingeschätzt und angemessen darauf reagiert werden.
Gerade in der Versorgung von Menschen mit Demenz spielen sich täglich rund um die Medikation Dramen aus Druck und Verweigerung ab, weil „genommen werden muss, was verordnet“ wurde. Wenn sich Medikation zum ständigen Konfliktherd entwickelt, ist es unbedingt wichtig das Gespräch zu suchen für Angehörige – denn die Betroffenen können dies in der Regel nicht selbst für sich tun.
Weitere Informationen finden Sie im Wegweiser Demenz auf der Seite „Behandlungsmöglichkeiten“.
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